Wetterkapriolen Bayern versinkt im Schnee
München - Der abermalige Wintereinbruch hat in Südbayern zu erheblichen Verkehrsbehinderungen geführt. Die Bahnstrecken Lindau - Kempten, Augsburg - Weilheim und München - Wolfratshausen sowie die Bundesstraße 2 Weilheim - Mittenwald waren heute wegen umgestürzter Bäume stundenlang gesperrt. Im Allgäu blockieren liegengebliebene Lastwagen die Straßen. Auf der Bundesstraße 308 Hindelang - Oberjoch herrscht Kettenpflicht. In Kaufbeuren fielen bis zum Morgen 28 Zentimeter, in Garmisch 23 und in München 10 Zentimeter Schnee.
Im Norden Deutschlands haben die Elbanwohner ebenfalls mit den Elementen zu kämpfen: Das Hochwasser der Elbe geht nur langsam zurück. Noch immer sind Tausende Helfer im Einsatz, um die durchnässten Deiche zu sichern. Die Behörden rechnen damit, dass die Lage bis zum Wochenende kritisch bleibt. Laut einem Sprecher des niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz bereitet vor allem die Dauerbelastung der Deiche durch die hohen Wasserstände Probleme. Die Lage sei aber unter Kontrolle, sagte er.
Allein im niedersächsischen Kreis Lüchow-Dannenberg mühen sich mehr als 3000 Helfer, Sickerstellen an den Deichen der Elbe und ihrer Nebenflüsse abzudichten. Kritisch ist die Lage am Fluss Jeetzel nahe Dannenberg. Durch das Einziehen einer Spundwand und ein teilweises Umleiten der Jeetzel gelang es den Behörden aber, den Wasserspiegel in dem besonders kritischen Bereich um etwa 40 Zentimeter zu senken und den Druck auf die belasteten Deiche zu mindern.
Im niedersächsischen Hitzacker ist die historische Altstadt nach wie vor komplett überflutet. "Es gibt noch keinen trockenen Zipfel", sagte eine Sprecherin der Stadt. Der Pegelstand sei jedoch im Vergleich zu gestern um etwa zehn Zentimeter auf 7,47 Meter gesunken. Die Stadt hofft, dass am Freitag größere Teile der Altstadt trocken sein werden.
In Lauenburg in Schleswig-Holstein, wo der Pegelstand um sieben Zentimeter auf gut neun Meter fiel, ist die Hochwassergefahr zwar noch nicht gebannt. Allerdings gelang es den Helfern, die historische Altstadt gegen die Wassermassen zu verteidigen. Die Deiche seien derzeit nicht in Gefahr, sagte ein Behördensprecher. Die Anwohner seien Überschwemmungen zudem gewöhnt und dementsprechend gelassen.
Auch in Mecklenburg-Vorpommern mussten die Deiche weiterhin dem Druck des Wassers standhalten. "Für eine Entwarnung ist es zu früh", sagte ein Sprecher des Kreises Ludwigslust. Gefahr für die Schutzwälle bestehe aber derzeit nicht. Von den 126 Sickerstellen an den Deichen im Kreis hätten Helfer 110 bereits abgedichtet.
Die SPD im Bundestag forderte unterdessen die alleinige Kompetenz des Bundes beim Hochwasserschutz. Der stellvertretende Fraktionschef der SPD, Ulrich Kelber, sagte der "Berliner Zeitung" vom Dienstag, Fluten machten an Ländergrenzen nicht halt. Es sei nicht sinnvoll, dass einzelne Anrainer-Länder der Elbe bei der Höhe von Deichen oder der Handhabung von Überflutungsflächen unterschiedliche Standards hätten. Kelber forderte, die geplante Reform des Föderalismus noch einmal zu ändern. Bisher will die Große Koalition den Ländern beim Hochwasserschutz umfangreiche Abweichmöglichkeiten gegenüber Bundesrecht einräumen.
Die Schifffahrt auf dem Rhein ist durch das Hochwasser weiter stark beeinträchtigt. Obwohl die Pegel in der Nacht gesunken sind, seien weiter mehrere Schleusen blockiert, teilte das Lagezentrum in Gambsheim bei Straßburg heute mit. Die Schleusen Vogelgrun und Rhinau südlich der Elsass-Metropole sollen am Nachmittag wieder öffnen, das Wehr in der Nähe der deutschen Gemeinde Iffezheim dagegen wahrscheinlich nicht vor morgen. Starke Regenfälle in der Schweiz hatten in den vergangenen Tagen den Rheinpegel stark ansteigen lassen.
ffr/AP/AFP