Williams Teller - DER SPIEGEL
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AUSSTELLUNGEN Williams Teller

• aus DER SPIEGEL 17/2000
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Schön sind sie wirklich nicht. Aber praktisch. Reclam-Hefte passen in die Gesäßtasche, sind preiswert und komprimieren Weltliteratur auf DIN-A6-Format. 1867 erfand Anton Philipp Reclam das Buch im Miniformat, um Klassikern wie Goethes »Faust« zur Massentauglichkeit zu verhelfen. Seitdem plagen sich Generationen von Schülern mit den Heftchen. Das Beste an ihnen ist aus Sicht der Pennäler aber nicht der Inhalt, sondern die Verpackung: Der schlichte gelbe Umschlag bietet Platz für kreative Leistungen auf engstem Raum. Und das billige Papier lässt sich leicht mit Radiergummi, Zirkelspitze, Textmarker oder Füller bearbeiten. Wenn der Unterricht mal wieder wenig prickelt, retten Umdeutungen in die nächste Pause. Aus Reclam wird »Reclame« oder »Reclamation«, aus Friedrich Schiller »Friedrich Schüler«. Johann Wolfgang von Goethes »Götz von Berlichingen« wird transformiert in »Kotz von Brechlingen«, Wilhelm Tell als »Williams Teller« serviert. Aus »Kabale und Liebe« macht der Radiergummi das, was Achtklässler wirklich interessiert: »Kaba und Liebe«. 150 der schönsten verfremdeten Reclam-Titel aus den vergangenen 50 Jahren zeigt eine Ausstellung im Theatermuseum Hannover noch bis zum 21. Mai. Besucher können selbst gestaltete Reclam-Heftchen aus ihrer Schul- und Studentenzeit mitbringen - für die drei schönsten gibt es Bücherprämien.

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