"Wilmas" Bilanz: Aufräumarbeiten werden Wochen dauern - DER SPIEGEL
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"Wilmas" Bilanz Aufräumarbeiten werden Wochen dauern

Einen Tag nachdem Hurrikan "Wilma" durch Florida gezogen ist, beginnen die Aufräumarbeiten. Der Schaden geht in die Milliarden. Inzwischen sind die ersten deutschen Urlauber aus der Unwetterregion nach Hause zurückgekehrt.
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Miami - Hurrikan "Wilma" hat in Florida mindestens sechs Menschen in den Tod gerissen und Milliardenschäden angerichtet. Ein Bewohner von Coral Springs bei Fort Lauderdale wurde von einem Baum erschlagen, ein anderer kam unter dem einstürzenden Dach seines Hauses im Bezirk Collier ums Leben. In Boyton Beach wurde eine 82-jährige Frau von den Splittern einer einbrechenden Glastür tödlich verletzt. Drei weitere Tote wurden aus den Bezirken Palm Beach, St. Johns und Collier gemeldet. Zuvor kamen bereits sechs Menschen in Mexiko sowie 13 in Jamaika und Haiti ums Leben.

Die Behörden in Florida sprachen vom schlimmsten Wirbelsturm im Gebiet um Fort Lauderdale seit 1950. Heute begannen die Aufräumarbeiten. US-Präsident George W. Bush sagte rasche Hilfe zu und ließ sich von seinem Bruder Jeb Bush, dem Gouverneur Floridas, über das Ausmaß der Verwüstungen informieren.

Es könne Wochen dauern, bis sich die Lage wieder normalisiert habe, sagte der Bürgermeister von Miami-Dade, Carlos Alvarez. Nachdem "Wilma" gestern sieben Stunden über Florida getobt hatte, waren sechs Millionen Bewohner ohne Strom. Böen von 200 Stundenkilometern rissen Straßenschilder, Zäune, Werbetafeln und Ampeln aus ihren Verankerungen.

Auf den Fernstraßen lagen entwurzelte Bäume, Dachziegel und ganze Dächer, alle drei Großflughäfen in Südflorida waren geschlossen. In Fort Lauderdale, Miami und Miami Beach zerstörte der Hurrikan in Hochhäusern unzählige Fenster. Etwa 35 Prozent des Stadtgebiets von Key West wurden überflutet. "Wir leben hier seit 37 Jahren und haben niemals einen solchen Hurrikan erlebt", sagte der 71-jährige Paul Kramer aus Tamarac bei Fort Lauderdale.

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Hurrikan "Wilma": Trümmer, Schlamm und herumgewirbelte Flugzeuge

Foto: AP

Präsident Bush kündigte an, der Bund werde eng mit den lokalen Behörden zusammenarbeiten und erklärte die betroffenen Regionen zum Katastrophengebiet. Es stünden Nahrungsmittel, Medikamente, Kommunikationsausrüstung und Suchteams bereit. Ersten Schätzungen zufolge dürften allein die versicherten Schäden zwei Milliarden bis zehn Milliarden Dollar betragen.

Auch auf Kuba verursachte "Wilma" schwere Überschwemmungen. Dort brachten sich fast 700.000 Menschen in Sicherheit. Berichte über größere Schäden oder Tote lagen zunächst nicht vor. "Wilma" war bereits der 21. Wirbelsturm in dieser Hurrikan-Saison in der Karibik, die im November zu Ende geht. Über Land schwächte er sich zu einem Hurrikan der Kategorie 2 ab, tankte jedoch neue Kraft und befand sich heute Vormittag (Ortszeit) als Hurrikan der Kategorie 3 mit Windgeschwindigkeiten bis 185 Stundenkilometern rund 500 Kilometer östlich der Küste von North Carolina.

Dabei bewegte sich "Wilma" für einen Wirbelsturm ungewöhnlich schnell voran, nämlich mit 85 Stundenkilometern. Bis morgen soll er die Höhe von Kanada erreicht haben und dann als Tiefdrucksystem nach Westen in Richtung Europa ziehen. Vorher könnte er dem Nordosten der USA noch einmal ergiebige Niederschläge bringen.

Inzwischen sind die ersten deutschen Urlauber aus der Katastrophenregion zurückgekehrt und am Frankfurter Flughafen gelandet. Alexandra und Carsten Wagner waren auf Hochzeitsreise in der mexikanischen Karibikregion, doch "Wilma" bereitete ihrem Urlaub ein jähes Ende. Ihr Hotel wurde von der Wucht des Hurrikans zerstört, ihr Gepäck ging verloren. "Wir sind sieben Stunden mit dem Bus nach Mérida gefahren. Dort waren wir mehrere Tage mit 30 Leuten in einem Raum der Universität untergebracht", berichtet die junge Frau.

Heute kam das Paar aus dem hessischen Ober-Mörlen mit dem ersten Sonderflug deutscher Heimkehrer aus der mexikanischen Katastrophenregion in Frankfurt an. Bis zum kommenden Wochenende sollen in einer gemeinsamen Aktion der deutschen führenden Reiseveranstalter vorerst weitere sieben Maschinen von der mexikanischen Halbinsel Yucatán folgen - mit psychologischer Betreuung beim Abflug und bei der Landung. Der Flughafen der Touristen-Hochburg Cancún ist wegen des Unwetters geschlossen worden - die Starts werden daher ins rund 300 Kilometer entfernte Mérida verlegt.

Lange lagen sich viele Heimkehrer und Angehörige, die sie abholen, in den Armen. Tagelang hatten sie nichts voneinander gehört - der Hurrikan hat auch das Telefonnetz zerstört. "Das Schlimmste war die Ungewissheit, dass wir tagelang nicht wussten, was auf uns zukommt. Das machte uns am meisten Angst", erzählte Alexandra Wagner.