Windsor-Gate Charles' Privatsekretär soll Affäre klären
London - Ein Schelm, der böses dabei denkt: Der britische Thronfolger Charles hat seinen eigenen Privatsekretär mit der Aufklärung der Vorwürfe beauftragt, die seit dem überraschenden Ende des Butler-Prozesses auf die Windsors einprasseln.
Die Queen hatte den Diebstahlprozess gegen Paul Burrell überraschend platzen lassen, indem sie sich plötzlich an ein Gespräch mit dem ehemaligen Butler von Prinzessin Diana erinnerte. Er habe ihr mitgeteilt, dass er verschiedene Gegenstände aus dem Besitz der Verstorbenen an sich nehmen werde. Britische Medien hatten daraufhin spekuliert, Elizabeth II. habe mit ihrer Aussage lediglich verhindern wollen, dass Burrell vor Gericht für die Familie unangenehme Details auspacke - wie etwa einen angeblichen Vergewaltigungsfall unter Charles' Bediensteten. Nach einer Umfrage glaubt dies auch eine große Mehrheit der Briten.
Zunächst hatte es geheißen, die Queen werde eine unabhängige Kommission einsetzen, die auch klären solle, ob Charles den Vergewaltigungsvorwurf eines Kammerdieners gegen einen seiner engsten Mitarbeiter vertuschen ließ. Doch am Dienstagabend erklärte der Kronprinz, die Affäre würde durch seinen Privatsekretär Sir Michael Peat untersucht.
Und der begann noch am selben Abend, die durch die Gerüchte angeschmuddelte Weste seines blaublütigen Chefs reinzuwaschen - und damit ganz offensichtlich vor Beginn der Untersuchung: Im Fernsehen beteuerte Peat, bei der plötzlichen Beendigung des Diebstahlprozesses gegen Burrell sei alles mit rechten Dingen zugegangen. Die Verschwörungstheorien seien "leicht absurd". Charles sei ein "äußerst mitfühlender Mensch", sagte Peat. Die Leute sollten ihm lieber dankbar dafür sein, dass er so viel für ihr Land tue, anstatt "grässliche Geschichten" über ihn in der Zeitung nachzulesen.
Charles, der nach Angaben von Hofbeobachtern durch die Situation "zutiefst verzweifelt und traumatisiert" sein soll, verfügte, dass die Rolle seiner Mutter im Butler-Prozess von den Untersuchungen ausgenommen bleibt. Dass die Queen nicht befragt wird, bestätigte auch der Buckingham-Palast: "Es wird kein Treffen zwischen der Queen und Sir Michael geben, weil er schon weiß, was die Queen gesagt und getan hat." Geklärt werden soll lediglich, ob im angeblichen Vergewaltigungsfall 1996 etwas verschleiert wurde und ob es im Haushalt des Prinzen Versuche gegeben habe, den Butler-Prozess zu beeinflussen.
Britische Politiker reagierten auf die Einsetzung des Privatsekretärs mit Kopfschütteln. Der Labour-Abgeordnete David Winnick sagte: "Es wäre besser gewesen, wenn es eine unabhängige Untersuchung gegeben hätte." Dennis Skinner (ebenfalls Labour) erklärte: "Sir Michael Peat arbeitet für den Palast, er wird bezahlt vom Palast, und er ist vom Palast geadelt worden." Da sei es wohl klar, dass er der Königsfamilie keine Schwierigkeiten machen werde.
Die britische Presse reagierte mit Hohn und Spott darauf, dass sich die Royals von einem ihrer eigenen Angestellten überprüfen lassen wollen. Damit hätten sie alles noch schlimmer gemacht, schrieb die "Times". Die "Financial Times" kommentierte: "Es ist deutlich, dass das Haus Windsor noch immer weit davon entfernt ist, die Notwendigkeit größerer Offenheit im Großbritannien des 21. Jahrhunderts zu erkennen." Die "Sun" verglich die Monarchie mit einem vom Bankrott bedrohten Unternehmen.