Winterchaos in Frankreich: Feind aus Nordwest - DER SPIEGEL
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Winterchaos in Frankreich Feind aus Nordwest

Es herrscht "Warnstufe Orange": In Frankreich ist der heftige Wintereinbruch zum Politikum geworden. Diesmal will die angeschlagene Regierung im Kampf gegen die Witterung unbedingt alles richtig machen.
Pariser Polizisten im Schneetreiben: Nicht angemessen reagiert
Pariser Polizisten im Schneetreiben: Nicht angemessen reagiert

Pariser Polizisten im Schneetreiben: Nicht angemessen reagiert

Foto: Maxppp/ dpa
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Der Angreifer wurde am Morgen am Ärmelkanal gesichtet. Seither bewegt er sich auf die Region Ile-de-France im Herzen Frankreichs zu - auf Paris. Und im Osten des Landes zwischen den Höhen der Ardennen und den Alpenregionen herrscht schon Ausnahmezustand, am Abend wird die Front Lyon und das Zentralmassiv erreichen. Die Regierung, die eine Krisenzelle eingerichtet hat, reagierte prompt: "Warnstufe Orange."

Nein, es geht nicht um Killerbienen oder Grippeviren, sondern einfach nur um kalte Kristalle, weiche Flocken, Schnee. Aber seit vergangene Woche heftige Niederschläge weite Teile Frankreichs zwischen Bretagne und Elsass lahmgelegt hatten, ist das Naturphänomen überraschend zum Politikum geworden.

Weil Nationalstraßen und Autobahnen durch liegengebliebene Lastwagen blockiert waren, gestrandete Autofahrer behelfsmäßig in Schulen und Turnhallen untergebracht werden mussten und auch der Flugverkehr in Mitleidenschaft gezogen war, geriet die Regierung in die Kritik.

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Foto: Friso Gentsch/ dpa

Freilich hatte Innenminister Brice Hortefeux leichtfertig verlauten lassen, es gebe kein "Schlamassel". Doch gleichzeitig warfen die Abgeordneten der konservativen Regierungspartei dem (sozialistischen) Bürgermeister von Paris vor, er habe nicht angemessen auf die Schneemassen reagiert. Selbst der Eiffelturm trug eine Zuckergusshaube.

Und Premier François Fillon, auf diplomatischer Mission in Moskau unterwegs, machte aus der Ferne prompt die Wetterfrösche von Météo-France für die Folgen der Wetterkatastrophe verantwortlich, weil sie die Höhe des Niederschlags unterschätzt hatten. Wenig später ruderte er zurück: "Ich habe gestützt auf Informationen gesprochen, die nicht richtig waren. Man muss sich mit Äußerungen zurückhalten, wenn man weit weg ist."

Nun rüstet sich Frankreich gegen den neuen Vormarsch der Wetterfront, zumal auch für Freitag und Samstag Schneefälle "in signifikanten Mengen" angesagt sind und in der Folge Matsch und Eisglätte. Die französischen Eisenbahnen und die Pariser Flughäfen rechnen mit Verspätungen, und in den Skigebieten der Alpen haben die Autobahnbetreiber 700 Räumfahrzeuge mobilisiert.

Schneeketten bereithalten

Reisenden in Savoyen und im Val-d'Isère wird geraten, Schneeketten bereitzuhalten. Zumal Winterreifen in Frankreich ohnehin nicht sehr verbreitet sind. Der Kälteeinbruch hat noch andere Nebenwirkungen: Weil Franzosen überwiegend mit Strom heizen, bricht der Verbrauch immer neue Rekorde - am Mittwochabend erreichte die Abnahme mehr als 96.350 Megawatt.

In Gegenden fern von Atommeilern wurden die Haushalte daher aufgefordert, zwischen 18 und 20 Uhr auf den Gebrauch von Wasch- und Spülmaschinen zu verzichten, selbst Computer und Lichtquellen sollen etwa in den Departements Var und Alpes-Maritimes sparsam genutzt werden.

Unterdessen rüstet auch die Hauptstadt gegen den Angriff von Schnee und Frost. Entlang der wichtigsten Verkehrslinien ist die Polizei in Wartestellung, und in Asnières, einer Randgemeinde von Paris, erhielten Freiwillige Fünf-Kilo-Säcke mit Streusalz, um Gehwege und Ampelübergänge von Glatteis freizuhalten.

Die Metropole ging es noch ein bisschen martialischer an: Um bei Bedarf verunglückte Autos zu bergen, wurden zum ersten Mal seit 1989 außerhalb der Ringautobahn Panzer der Gendarmerie in Stellung gebracht.