Wintereinbruch Norddeutschland schlittert
Hamburg - Schlangenlinien im Schnee haben die Polizei in Bad Lobenstein in Thüringen direkt zu einem betrunkenen Winterdienst-Mitarbeiter geführt. Der 46-jährige Fahrer eines Räumungsfahrzeugs war mit 2,32 Promille unterwegs gewesen, dies ergab nach Polizeiangaben ein Alkoholtest. Die Beamten stellten den Führerschein sicher. Den Winterdienst in und um Bad Lobenstein übernahm ein anderer Fahrer.
In Brackel im Kreis Harburg kam ein Bus mit 50 Schülern von der glatten Straße ab und rutschte in den Straßengraben - weil der Fahrer nach Polizeiangaben zwischen Brackel und Quarrendorf einem entgegenkommenden Auto ausweichen musste, das die Kurve geschnitten hatte. Die Kinder blieben unverletzt. Ein Ersatzbus brachte sie schließlich zur Schule. Der Autofahrer flüchtete vom Unfallort. Die Polizei fahndet nun nach ihm. Der Bus wurde mittlerweile mit zwei Autokränen geborgen.
In Hamburg zwangen die starken Schneefälle den Winterdienst in der vergangenen Nacht und heute Vormittag zum Dauereinsatz. Innerhalb von acht Stunden seien die Fahrer der 120 Streufahrzeuge rund 6400 Kilometern gefahren - entsprechend der von Hamburg bis Gibraltar und zurück, sagte ein Unternehmenssprecher. Am Vormittag waren etwa 600 Mitarbeiter der Hamburger Stadtreinigung und andere Einsatzkräfte damit beschäftigt, mit Schneeschiebern vor allem Kreuzungsbereiche sowie rund 12.000 Überwege und Mittelinseln zu räumen und zu streuen.
Zu vielen Unfällen führten starke Schneefälle und die damit verbundene Straßenglätte heute Nacht im Raum Göttingen. Bei Oldenburg überschlug sich auf der Autobahn A 29 am Morgen ein 40-Tonner. Der Lastwagen durchbrach eine Leitplanke und blieb kopfüber in einem Graben liegen. Der Fahrer wurde leicht verletzt.
Auf der Autobahn 7 bei Soltau-Fallingbostel registrierte die Polizei insgesamt 15 Unfälle. Als Unfallursache nannte die Polizei vor allem unangepasste Geschwindigkeit. Auch in Salzgitter ereigneten sich nach Polizeiangaben mehrere Unfälle. Bei der Kollision von zwei Fahrzeugen wurden die beiden Fahrer leicht verletzt. Insgesamt führten Schnee und Eisglätte seit gestern Abend zu Hunderten Unfällen in Norddeutschland, Nordrhein-Westfalen und Hessen.
Wochenendprognose: Schnee im Norden, Regen im Westen
Auch in den nächsten Tagen wird es im Norden Schnee und im Westen Regen geben: Das zweigeteilte Wetter setzt sich in Deutschland am Wochenende fort. Bis Sonntag wird das Baltikum-Hoch "Forbea" weiter Kaltluft vor allem in die Gebiete nordöstlich der Elbe bringen, derweil werden die Tiefs "Volkhard" und "Wulf" feuchte und milde atlantische Luftmassen in den Südwesten Deutschlands treiben.
"Zu Beginn der kommenden Woche gelangt aber ganz Deutschland wieder auf die milde Seite", sagte Michael Beisenherz vom Wetterdienst Meteomedia. Montag soll es unbeständig sein - mit Regenschauern und kurzen sonnigen Auflockerungen. Schnee wird es dann laut Meteomedia-Prognose nur noch oberhalb von 1000 bis 1500 Metern geben. Die Temperaturen steigen auf 5 bis 10 Grad, am Rhein bis auf 13 Grad.
Der Wintereinbruch hat bereits gestern Westeuropa lahmgelegt: Die heftigen Schneefälle hatten in Großbritannien, Benelux und Teilen Deutschlands für ein Verkehrschaos gesorgt. Es gab unzählige Unfälle und Mega-Staus; Flughäfen wurden vorübergehend geschlossen. In Düsseldorf und Frankfurt am Main ist der Schnee aber mittlerweile geschmolzen, so dass der Flugverkehr wieder nach Plan verläuft.
fba/ddp/dpa