Wintereinbruch Tödliche Unfälle auf eisglatten Straßen
Hamburg - Bei einem schweren Verkehrsunfall auf eisglatter Fahrbahn sind in Nordhessen zwei Menschen ums Leben gekommen und drei weitere zum Teil schwer verletzt worden: Nach den Ermittlungen der Polizei in Fulda geriet in der Nacht zum Samstag ein mit insgesamt fünf Personen besetzter Minivan auf der Bundesstraße 27 bei Hünfeld-Rückers auf die Gegenfahrbahn und prallte gegen einen entgegenkommenden Lastwagen. Bei dem Aufprall wurden zwei der drei im hinteren Wagenteil sitzenden Personen so schwer verletzt, dass sie noch an der Unfallstelle starben, wie die Polizei mitteilte.
Zwei weitere Insassen wurden schwer und einer leicht verletzt in Krankenhäuser gebracht. Identifiziert wurde zunächst lediglich der 18-jährige, aus Hünfeld stammende Fahrer des Ford Galaxy. Der Unfall ereignete sich den Angaben zufolge um 4.13 Uhr. Der Sattelauflieger stellte sich durch den Aufprall quer und blockierte die gesamte Fahrbahn, die bis zum Morgen noch immer gesperrt war.
Bei einem Unfall mit einem Streuwagen ist am späten Freitagabend auf der Autobahn 2 bei Königslutter eine 54 Jahre alte Autofahrerin ums Leben gekommen. Wie die Autobahnpolizei in Braunschweig in der Nacht zum Samstag mitteilte, war die Frau mit überhöhter Geschwindigkeit auf den Lastwagen des Winterdienstes aufgefahren, der gerade den linken Fahrstreifen abstreute. Durch den Aufprall wurde ihr Auto auf die mittlere Spur geschleudert und vom Kleinbus eines 30-Jährigen erfasst. Die 54-Jährige starb noch an der Unfallstelle an ihren Verletzungen. Die Autobahn Richtung Berlin war für kurze Zeit voll gesperrt.
Gestrichene Flüge, herabstürzende Ziegel, entwurzelte Bäume
Böen mit orkanartigen Spitzen von bis zu 119 Stundenkilometern fegten am Freitag vor allem über den Westen und Süden und richteten zum Teil erhebliche Schäden an. Unzählige Bäume stürzten um und behinderten den Straßen- und Bahnverkehr. Der Wintereinbruch nahm im Norden und Osten seinen Anfang. Der Deutsche Wetterdienst gab Unwetterwarnungen heraus.
Heftige Sturmböen störten auch den Flugbetrieb auf dem Frankfurter Flughafen. Nach Angaben des Flughafens wurden bis zum Abend 110 Flüge gestrichen, weil sichere Starts und Landungen nicht gewährleistet werden konnten. Die Passagiere wurden auf andere Flüge umgebucht. Am Abend normalisierte sich der Betrieb wieder.
In Duisburg wurde der Hauptbahnhof geräumt, nachdem Dachteile von starken Windböen heruntergeweht worden waren. In Hilden löste sich das komplette Dach eines Mehrfamilienhauses und krachte auf einen Supermarkt.
In Düren fiel ein Baum auf ein Auto, der Fahrer kam mit dem Schrecken davon. Auf der hundert Meter hohen Moseltalbrücke bei Winningen in Rheinland-Pfalz kippten zwei Lastwagen um; die Fahrer blieben unverletzt. Die Bundesstraße 255 im Landkreis Altenkirchen musste nach massivem Windbruch voll gesperrt werden.
In Mainz fielen die Weihnachtsbäume auf dem Liebfrauenplatz, Domplatz und Vorplatz am Hauptbahnhof um. In allen vom Sturm betroffenen Bundesländern wurden Bäume entwurzelt, Äste abgeknickt und Ziegel von den Dächern gerissen.
Wegen der erwarteten Schneefälle wurde an vielen bayerischen Schulen ein für Samstag geplanter Unterrichtstag abgesagt. In den Landkreisen Ober- und Unterallgäu, Lindau, Ostallgäu, in den kreisfreien Städten Kempten, Kaufbeuren und Memmingen und im fränkischen Wunsiedel bekommen Lehrer und Schüler schneefrei.
Österreich: Drei Tote bei Unfällen auf glatten Straßen
In Österreich hat starker Schneefall und Glatteis in der Nacht zum Samstag zur vorübergehenden Sperrung der sogenannten Westautobahn geführt. Auf der A1 in Richtung St. Pölten blieben am Melker Berg mehrere Lkw liegen, meldete die österreichische Nachrichtenagentur APA. Auch nach der Aufhebung der Sperrung musste noch mit Behinderungen gerechnet werden, hieß es am Morgen.
Bei Unfällen auf Glatteis kamen APA zufolge drei Menschen ums Leben: In der Steiermark bei Murau sei ein Autofahrer auf spiegelglatter Fahrbahn ins Schleudern gekommen und hundert Meter einen Abhang hinunter gestürzt. Beim Zusammenstoß zweier Pkw in Kärnten seien zwei 16-jährige Mädchen ums Leben gekommen, die Fahrer der beiden Fahrzeuge hätten Verletzungen erlitten.
Die Schweiz bewältigte den seit Tagen angekündigten Wintereinbruch in der Nacht zum Samstag ohne größere Probleme. Schnee bis in tiefe Lagen gab es vor allem in der östlichen Landeshälfte. Hochwinterliche Straßenverhältnisse und Lawinengefahr herrschten in den Voralpen und Alpen. Im Flachland beschränkten sich die Schneemengen vorerst auf einige Zentimeter, wie Daniel Murer von MeteoSchweiz auf Anfrage sagte.
In erhöhten Lagen über 600 Meter lagen hingegen schon am Samstagmorgen zehn bis zwölf Zentimeter Schnee. Und in den Voralpen und Alpen waren es 20 bis 50 Zentimeter. Dort warnte das Institut für Schnee- und Lawinenforschung vor einer erheblichen Lawinengefahr. Für Schneesportler sei die Situation sehr heikel.
Aussichten: Dauerschneefall in den Alpen und Mittelgebirgen
In Griechenland haben stürmische Winde am Samstag den gesamten Fährverkehr im Land zum Erliegen gebracht. Im Ionischen und im Ägäischen Meer wüteten Stürme der Stärke neun. Stellenweise erreichten die Böen die Stärke zehn und mehr, teilte das Meteorologische Amt weiter mit. Die Küstenwache ordnete die Einstellung aller Fährverbindungen an. Zahlreiche Inseln blieben damit von der Außenwelt abgeschnitten. Der Sturm soll erst am Montag abflauen.
In Deutschland bleibt das Wochenende winterlich: Für die Alpen und die Mittelgebirge sagen die Meteorologen am Samstag Dauerschneefall und Schneeverwehungen vorher. In den anderen Gebieten werden Schneeschauer erwartet. Nur ganz im Norden soll es trocken bleiben und sogar die Sonne scheinen. Die Temperaturen liegen tagsüber in den Schneegebieten bei minus einem Grad, im Norden soll es nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia bis zu fünf Grad warm werden, allerdings weht in ganz Deutschland stürmischer Nordwestwind.
jjc/AP