Schlamm und Schnee: Winterwetter in den USA
Winterwetter US-Ostküste zittert vor Blizzards
Washington - Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen - zumindest für die Menschen in der Stadt Columbia im US-Bundesstaat South Carolina. Sie erlebten die erste weiße Weihnacht seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1887. Auch die Einwohner von Atlanta im Nachbarstaat Georgia sahen ungewohnten Schnee an den Feiertagen - auch wenn der nur 2,5 Zentimeter hoch lag. Die Freude bei den Kindern in diesem Teil der USA war groß, weiter nördlich jedoch sorgte das Winterwetter für Chaos.
Auf verschneiten Straßen kam es über Weihnachten zu zahlreichen Verkehrsunfällen in den Staaten der US-Ostküste, teilten die Behörden am Sonntag mit. Die Airlines sagten zahlreiche Flüge ab, die meisten davon in Metropolen wie Washington, New York und Philadelphia. Allein die Fluggesellschaft Delta strich am Sonntag nach Angaben eines Sprechers rund 850 Verbindungen. Für den Nachmittag (Ortszeit) erwartete ein Sprecher von American Airlines den Ausfall aller Flüge in Washington, Baltimore und Philadelphia.
Bei American Airlines und JetBlue, an der die Deutsche Lufthansa beteiligt ist, sind nach den Worten von Sprechern jeweils 265 Flüge ausgefallen. Nach Angaben der Port Authority of New York and New Jersey, die die Flughäfen im Großraum New York betreibt, wurden insgesamt etwa 1000 Flüge gestrichen. Es kam allerdings zu keinen größeren Verspätungen, weil die Flugpläne ausgedünnt wurden, wie eine Sprecherin der Luftfahrtbehörde FAA sagte. Auch wurde der Zugverkehr für Passagiere auf der Strecke New York-Boston ausgesetzt.
Hamsterkäufe in Boston
Denn der Nordosten der USA bereitet sich auf noch größere Beeinträchtigungen vor - dort gab es Warnungen vor Blizzards. New York sagten Meteorologen 28 bis 41 Zentimeter Neuschnee am Sonntag und Montag vorher, in Boston sollten es sogar bis zu einem halben Meter sein. In Washington wurden die Straßen auf den Schnee vorbereitet. Etwa 200 Salzlaster und Schneepflüge standen bereit. Maryland, Virginia und North Carolina haben bereits den Notstand ausgerufen.
"Wir raten zu extremer Vorsicht bei der Reise", sagte der Gouverneur von Virginia, Bob McDonnell, dem Weather Channel am Samstagabend. "Versuchen Sie, sicher nach Hause zu kommen, und wenn sie nicht reisen müssen, dann lassen Sie es besser bleiben", riet er den Bürgern. Bereits am späten Heiligabend war aus dem Mittleren Westen ein Schneegebiet Richtung Süden gezogen.
In der Gegend von Boston gab es Hamsterkäufe: Viele Kunden deckten sich mit Feuerholz und Schaufeln ein, ebenso mit Milch und Brot. Firmen und Behörden werden am Montag mit Notbesetzung arbeiten.
Schlammberge und immer wieder Regen
Der Osten der USA rüstet sich für Eis und Schnee - der Westen leidet unter den Folgen der Regenfluten und Schlammlawinen. Nach einem gewaltigen Unwetter mussten die Kalifornier über Weihnachten kräftig aufräumen.
Vor allem im Osten von Los Angeles hatte eine Sturmfront vor den Feiertagen große Schäden angerichtet. Hunderte Einwohner im Süden des US-Staates konnten das Weihnachtsfest nicht zu Hause verbringen, weil ihre Häuser völlig verdreckt sind oder Sturm- und Erdrutschschäden sie gar dauerhaft unbewohnbar machten. Zu allem Überfluss regnete es erneut.
Vielerorts kämpften die Helfer gegen Schlammberge, die sich an den Vortagen aufgetürmt hatten. Viele Straßen mussten freigeräumt werden, darunter wichtige Highways. Das könnte nach Angaben der Behörden mehrere Tage dauern. Auch die Bahnlinie zwischen Los Angeles und San Diego wurde gesperrt. Der Bundesstaat rief für viele Bezirke den Notstand aus, am Freitag auch für die Gegend um San Diego, damit finanzielle Hilfe für die Betroffenen schneller fließen kann.
Zudem sperrten die Behörden mehrere Strände in Kalifornien. Gesundheitsexperten warnten, dass wegen des Unwetters Müll und Pestizide angespült worden seien und die Badegäste eine Infektion mit schädlichen Bakterien befürchten müssten.
Nach ersten Schätzungen reicht die gesamte Schadenshöhe an einen dreistelligen Millionenbetrag heran. Zwar konnte sich die betroffene Region nach dem tagelangen Dauerregen auch wieder über einige Sonnenstrahlen freuen, doch bereits am Samstag regnete es erneut - wenn auch weniger heftig.
Wegen eines arktischen Sturms aus dem Golf von Alaska, der mit feuchtwarmer Luft über dem Pazifik kollidierte, hatte die Westküste der USA rund eine Woche unter heftigem Niederschlag und Überschwemmungen gelitten. In weiten Teilen Kaliforniens war Regen in Rekordmengen gefallen. Anwohner berichteten, sie hätten regelrecht vor Mauern aus Schlamm flüchten müssen. Zahlreiche Autos und vereinzelt auch ganze Häuser versanken in den Fluten. Bauernhöfe und Obstplantagen wurden verwüstet. Eine Autofahrerin starb, als ihr Wagen in einen Fluss gespült wurde. Wie viele Menschen verletzt wurden, ist unklar.