Wirbelsturm "Stan" Tödliche Schlammlawinen
Guatemala-Stadt - Über 600 Opfer sind inzwischen offiziell bestätigt. In Guatemala verschärfte sich die Lage am Samstag, die Zahl der Todesopfer erhöhte sich von bislang 176 auf mehr als 508 Menschen, mindestens weitere 300 Personen sind verschollen. Darunter seien viele Kinder, teilten die Behörden am Samstag in Guatemala-Stadt mit, nachdem die Rettungskräfte zu 40 bis dahin nicht erreichbaren Dörfern vorgedrungen waren. Viele Opfer waren Indianer, die am Ufer des bei Touristen beliebten Sees Atitlán lebten.
"Ganze Dörfer sind verschwunden", berichtete eine 25-jährige US-Amerikanerin, die aus dem Katastrophengebiet rund 70 Kilometer westlich der Hauptstadt Guatemala-Stadt gerettet wurde. Sie habe sich zwar in der Ortschaft Santa Catarina aus einer Schlammlawine befreien können, dabei aber ansehen müssen, wie ein Mann und eine Frau weggeschwemmt wurden.
Die dicht bevölkerte Küstenregion von Guatemala war zu weiten Teilen überschwemmt. Telefonnetz und Stromversorgung brachen zusammen. Hunderttausende Menschen wurden obdachlos. Die USA stellten dem verarmten Land sechs Rettungshubschrauber zur Verfügung, das Nachbarland Mexiko schickte zwei, ein weiterer Helikopter kam aus Honduras.
Präsident Oscar Berger hatte bereits am Freitag gewarnt, dass auf Guatemala eine Bilanz des Schreckens zukomme. "Ich denke, dass wir noch unangenehme Überraschungen erleben werden", sagte er. Zahlreiche Menschen würden vermisst, es hätte etliche Erdrutsche gegeben, und viele Dörfer seien von jeglicher Kommunikation abgeschnitten.
Hilfslieferungen erreichen eingeschlossene Dörfer nicht
Das von Überschwemmungen und einem Vulkanausbruch heimgesuchte El Salvador wurde am Freitagabend zusätzlich von einem starken Erdbeben erschüttert. Das Beben von der Stärke 6,2 sei im ganzen Land und im Süden von Guatemala spürbar gewesen, teilte das nationale Institut für Erdforschung mit. Das Epizentrum befand sich in der westlichen Provinz Ahuachapan an der Pazifikküste.
Da das Wasser in den betroffenen Gebieten Guatemalas und El Salvadors die gesamte Verkehrsinfrastruktur stark beschädigt hat, können nach wie vor auch die Hilfslieferungen kaum die Not leidende Bevölkerung erreichen. "Für die Hilfsorganisationen ist es fast unmöglich in die eingeschlossenen Dörfer vorzudringen", sagte Jörg Peter Holla von der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ).
In Mexiko waren sieben Bundesstaaten von den Folgen des Sturms betroffen. Im südöstlichen Chiapas warten hunderte Menschen auf Hilfe. Im Bundesstaat Veracruz wurden 40 000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche und die Ernte von Mais, Zuckerrohr, Papaya zerstört. Präsident Vicente Fox sicherte den Krisengebieten 1,6 Millionen Dollar Hilfsgelder aus dem Staatshaushalt zu.