Witwe klagt: Mann nicht tief genug beerdigt - DER SPIEGEL
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Witwe klagt Mann nicht tief genug beerdigt

Mit einem skurrilen Streit muss sich das Verwaltungsgericht Hannover beschäftigen: Ein vor anderthalb Jahren Beerdigter liegt nur rund 30 Zentimeter unter der Erde. Die Witwe hat jetzt gegen die Kirche geklagt. Der zweite Beschwerdegrund: Ihr Mann liegt schief im Grab.
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Martfeld/Hannover - Die Szene auf dem Friedhof in Martfeld im Kreis Diepholz ist schaurig: "Die Steinsetzer machen acht Wochen nach der Beerdigung meines Mannes den zweiten Spatenstich ins Grab. Und dann stoßen sie auf den Sarg", erinnert sich Hannelore Grieme. "Meine Tochter und ich sind fast zusammengebrochen." Die 63 Jahre alte Witwe hat die Kirchengemeinde in dem 2700 Seelen-Ort jetzt verklagt.

Im August 1998 hatte ein Mitarbeiter des Friedhofes in dem Familiengrab mit acht Plätzen ein weiteres Grab ausgehoben. Es ist das dritte der Familie Grieme, die seit vielen Jahren in Martfeld lebt. In der Friedhofsordnung ist unzweifelhaft festgelegt, dass über dem Sarg die "Erdschicht so mächtig sein muss, dass keine Zersetzungsprodukte" an die Oberfläche gelangen können. Deshalb muss die Oberkante des Sarges mindestens 90 Zentimeter unter der Erde sein.

Allerdings war das Ausheben dieses Grabes schwieriger als sonst: Der Arbeiter förderte zunächst rund 200 rote Klinker zu Tage und stieß schließlich in einer Tiefe von knapp einem Meter auf eine 90 Zentimeter breite massive Betonplatte. "Mit unseren Mitteln konnten wir diese Platte nicht beseitigen", erklärt Pastor Horst Wortmann. Das Loch wurde nicht auf die sonst übliche Tiefe gebracht. "Dass das Grab nicht tief genug ist, hat uns niemand gesagt. Und bei der Beerdigung haben wir nicht darauf geachtet", sagt Witwe Grieme. Doch nicht nur der Steinsetzer hatte seine Probleme: "Immer,wenn wir das Grab neu bepflanzen, stoßen wir mit dem Spaten auf den Sarg meines Mannes."

Schließlich beauftragte die Kirche ein Vermessungsunternehmen, das mit Sonden und Geräten auf dem Friedhof anrückte. "Ein nicht ganz billiger Auftrag", sagt Pastor Wortmann. Die Experten stellen fest: Das Fußende des Sarges liegt exakt 38 Zentimeter tief, das Kopfende lediglich 27 Zentimeter. Daraufhin bot die Kirchengemeinde Martfeld der Witwe zunächst an, die fehlende Erde aufzuschütten. "Auch andere Gräber auf dem Friedhof sind aufgeschüttet", sagt Wortmann. Dies aber lehnte Frau Grieme als "Zumutung" ab: "Wir wollen doch kein Hünengrab. Mein Mann soll so wie jeder andere Mensch bestattet werden."

Vermutlich stammt der massive Stein des Anstoßes in dem um 1869 in Betrieb genommenen Gräberfeld aus früheren Zeiten. In Gebieten mit hohem Grundwasserspiegel wurden von Zeit zu Zeit Steine oder Platten mit in die Gräber gelegt, um das Gewicht der Särge zu erhöhen und einen Auftrieb bei steigendem Pegel zu verhindern, sagte der Gerichtssprecher.