Witzbold-Alarm: Auf zur Nackt-Lesung - DER SPIEGEL
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Witzbold-Alarm Auf zur Nackt-Lesung

Heute schon verschaukelt worden? Am 1. April treibt es mancher Spaßvogel bis an die Scherzgrenze. Die baden-württembergische FDP fordert sogar termingerecht, den Schabernack unter Strafe zu stellen. Wie witzig.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Es wird viel zuviel gelacht und zu wenig gearbeitet. Der baden-württembergische FDP-Landesvorsitzende Michael Theurer schlug deshalb hohe Strafen für Freizeit-Humoristen vor - pünktlich zum 1. April. Demnach soll schuften, wer witzelt. Möglich wäre die Ableistung eines Sozialdienstes, dessen Länge sich nach "der Schwere des Scherzes" richtet. Mit einer Bundesintiative müsse ein entsprechendes Gesetz auf den Weg gebracht werden, sagte der Horber Oberbürgermeister im Südwestrundrundfunk - und sorgte damit kurzweilig für die gewünschte Verwirrung.

Mit seiner Flunker-Meldung reihte sich der Politiker dieses Jahr in die Garde der Spaßvögel ein. Am 1. April werden nicht nur in Deutschland die Menschen traditionell durch den Kakao gezogen. "Netten Ratschlägen" von Kollegen oder Freunden, kuriosen Meldungen in Fernsehen, Radio, Zeitung sollte man an diesem Tag stets mit Misstrauen begegnen. Das geht nun schon seit Jahrhunderten so.

Der Ursprung dieser Sitte ist nicht genau bekannt. Man pflegt sie in Westeuropa genauso wie in Amerika und Indien. Überall dort legen sich am 1. April Mitmenschen mit erfundenen oder verfälschten Anekdoten rein. Für die Gründes dieses Brauches gibt es zahlreiche ernste und weniger ernste Erklärungsversuche.

Eine der glaubwürdigeren Geschichten: Im Jahr 1564 sorgte der Wechsel vom Julianischen zum Gregorianischen Kalender für allerlei Verwirrung. Damals feierte man den Beginn des neuen Jahres eine Woche lang vom 25. März bis 2. April.

Der französische König Karl IX. legte den Jahresanfang jedoch vom 1. April auf den 1. Januar. Menschen, die den Jahresanfang nicht am 1. Januar sondern weiterhin Ende März feierten, wurden in den folgenden Jahren mit großem Spott bedacht.

Die deutsche Redensart, jemanden in den April "zu schicken" wurde jedoch erstmals 1618 aus Bayern überliefert und seither munter praktiziert. Hier einige aktuelle Beispiele:

FKK-Lesung

Eine als "erste Nackt-Lesung" angekündigte Vorstellung eines Buches über FKK in der DDR lockte in Pasewalk mehr als 30 Rundfunk- und TV-Stationen an, die über die Freikörperkultur berichten wollten. Der Eulenspiegel-Verlag klärte den Spaß auf: April, April.

Rückwärts drehende Windräder

Windräder sollen künftig ihre Drehrichtung ändern, berichtet die "Magdeburger Volksstimme" über ein EU-Klimaschutzprojekt. Angeblich, um für bessere Luft zu sorgen. Zudem schreibt das Blatt, das die Schiffe der Magdeburger Weißen Flotte mit Glasböden ausgerüstet würden, damit die Gäste bei der Fahrt den Grund der Elbe sehen könnten.

Tiger-Streichelzoo

Der Zoo in Halle plane, die erste begehbare Raubtieranlage Deutschlands einzurichten, flunkert die "Mitteldeutsche Zeitung". Die Idee: Besucher dürfen in das Außengehege der Raubkatzen, die dort - lediglich mit einer Leine gesichert - frei herumlaufen.

Käfer-Kampf

Dem gefürchteten Borkenkäfer will das Landwirtschaftsministerium Thüringen angeblich mit drakonischen Maßnahmen zu Leibe rücken. Etwa 10.500 Jäger sollten demnächst per Gesetz verpflichtet werden, dem Tierchen an 365 Tagen im Jahr den Garaus zu machen. Sie würden mit Nachtsichtgeräten ausgerüstet, um dem Käfer auch nachts auflauern zu können. Zudem werde man als erstes Bundesland Borkenkäfer-Gesellschaftsjagden veranstalten.

Plakette für Raucher

Dicke Luft propagiert man in Hessen: Eine kurz vor Ende der Legislaturperiode beschlossene Initiative der Landesregierung sieht nach einer Aprilscherz-Meldung von Hit Radio FFH vor, dass Raucher künftig wieder in Lokalen und öffentlichen Gebäuden zur Zigarette greifen dürfen - wenn sie eine "Raucher-Plakette" haben. Die fünf mal fünf Zentimeter große Karte könne in Apotheken und Tankstellen gekauft werden. Die Wochen-, Monats- und Jahres-Plaketten sollten angeblich 10, 40 und 365 Euro kosten.

Berauschendes Karaoke

Der Bundestag will Karaoke als Droge einstufen, witzelte das Online-Karaokeportal "Talentrun". Damit soll der beliebte Freizeitspaß künftig unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. Die Einordnung als "leichte Droge" sei gerechtfertigt, weil beim "lauten Singen signifikante hormonelle Veränderungen wissenschaftlich nachgewiesen sind, die den Wirkungen bei der Einnahme bestimmter Drogen nicht nachstehen", zitiert "Talentrun" aus der vermeintlichen Petition zur Gesetzesänderung.

Rolling Stones getrennt

Ausgeklimpert: Nach dubiosen Informationen des hessischen Super-Oldie-Senders "harmony.fm" trennten sich die Rolling Stones überraschend zum 1. April. Sänger Mick Jagger soll sich lange gegen diesen Schritt gewehrt haben, hieß es.

Pralle Euter

Der Verband der Milchbauern fordert in einer kuriosen Pressemitteilung das Ende der Zeitumstellung: Den Kühen fehle im Frühjahr eine Stunde zur Milchproduktion, im Herbst seien die Euter morgens zu prall gefüllt. Den Milchbauern sei dadurch ein dreistelliger Millionenbetrag verlorengegangen, schrieb der Verband.

Drehbüne der Politik

Eine Idee zur aktuellen politischen Lage in Hessen liefert der Hessische Rundfunk in seinem Internet-Auftritt: Dort war zu lesen, der neue Landtag werde eine Drehbühne bekommen und die rotierende Sitzordnung einführen - damit jeder mal neben der von allen ungeliebten Linkspartei sitzen müsse.

Sensibler Super-Kicker

"Die Eintracht im kollektiven Schockzustand", meldet der Fußballverein Eintracht Frankfurt. Der Brasilianer Caio, kürzlich erst für vier Millionen Euro an den Main geholt, habe mitteilen lassen, dass er wieder in seine Heimat Brasilien geflogen sei und bis auf weiteres nicht an Rückkehr denke. Der sensible Caio habe von Beginn an Akklimatisierungsprobleme gehabt.

Bullen- und Bärenlos

Von einem angeblich geplanten Umzug der Plastik "Bulle und Bär" von dem Platz vor der Börse nach Eschborn, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Dorthin will die Deutsche Börse tatsächlich bald umziehen, um Gewerbesteuer zu sparen. Den Platz der weithin bekannten Skulptur sollten eine Plastik der Frankfurter Volksschauspielerin Liesel Christ und ein mannshoher Apfelwein-Bembel einnehmen.

Sag's mit Blumen

Ein Aufruf zu Blumenspenden für die Landesgartenschau 2014 in Gießen jubelt die "Gießener Allgemeinen" ihren Lesern unter. Die Spenden könnten an Mitarbeiter des Gartenamts vor der Kongresshalle abgegeben werden. Dabei seien "Allerweltsblumen" ebenso willkommen wie besondere Arten.

dek/dpa/ddp