Wolf-Prozess: Sie wollte die Scheidung, er drohte mit "Krieg" - DER SPIEGEL
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Wolf-Prozess Sie wollte die Scheidung, er drohte mit "Krieg"

"Nicht so gut" fühle sie sich, sagte Ursula Wolf, als sie in den Zeugenstand trat, um gegen ihren Mann Jochen auszusagen. Der ehemalige Bauminister soll einen Killer auf seine Frau angesetzt haben. Nun traf sich das Noch-Ehepaar vor dem Potsdamer Landgericht.
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Potsdam - Cholerisch sei ihr Mann gewesen, seine Aggressionen richteten sich nicht nur gegen sie, sondern auch gegen die beiden gemeinsamen Kinder, erzählte Ursula Wolf am Dienstag vor dem Potsdamer Gericht, wo sich der Ex-Politiker Jochen Wolf wegen Anstiftung zum Mord an ihr verantworten muss: "Er hat mich während der Ehe immer wieder angebrüllt - ich fühlte mich geschlagen." Die Kinder habe er "planmäßig" geschlagen.

Während Frau Wolf immer wieder ihren Mann anblickte, vermied der Angeklagte den Blickkontakt zu der Frau, die er vor knapp 23 Jahren geheiratet hatte. Mit leiser Stimme schilderte Ursula Wolf, wie sie 1995 bemerkt habe, dass ihr Mann ein Verhältnis hatte. Erst habe sie ihm drei Monate Bedenkzeit gegeben, dann verlangte sie die Scheidung. Daraufhin habe ihr Mann erklärt: "Wenn du Krieg willst, bekommst du ihn."

1996 und 1998 seien vor Gericht zwei Scheidungsanträge gestellt worden, berichtete Ursula Wolf. Einer sei jedoch wegen unvollständiger Angaben ihres Mannes zu seinen Vermögensverhältnissen ungültig gewesen, den zweiten habe sie aus diesem Grund angefochten. Mit jeder Gerichtsniederlage im folgenden Scheidungsverfahren sei Wolf wütender geworden und habe immer "neue Dinger" gegen sie gestartet, sagte die 55-Jährige. Über Jahre habe sich Wolf geweigert, Unterhalt zu zahlen.

Ein enger Freund des ehemaligen brandenburgischen Bauministers erklärte dagegen, Ursula Wolf habe überzogene finanzielle Forderungen gestellt. Von seinem damaligen Einkommen, dass nach Aussagen des Freundes bei 10.000 Mark brutto gelegen haben soll, habe er eine Monatsrate von 5000 Mark für das noch von Frau Wolf bewohnte Haus und 2000 Mark Unterhalt zahlen müssen. "Jochen lebte am Existenzminimum."

Noch vor der Vernehmung von Wolfs Ehefrau hatte eine Zeugin erstmals bestätigt, dass der Ex-Politiker eine politische Verschwörung gegen sich sah. Er vermutete, dass hochrangige brandenburgische Regierungsmitglieder, darunter auch Ministerpräsident Stolpe, sich gegen ihn verschworen hätten, um seinen politischen Aufstieg zu verhindern. Dass sich ihr Mann als Opfer eines Komplotts sah, bestätigte auch Ursula Wolf. Das Ende seiner politischen Karriere - der ehemalige Bauminister musste wegen einer Immobilienaffäre zurücktreten - habe ihr Mann nie verwunden.

Jochen Wolf hatte bereits eingeräumt, einen Killer zur Ermordung seiner Ehefrau angeheuert zu haben. Laut Anklage hatte er 1997 den ersten und 2000 einen zweiten Versuch unternommen, seine Frau töten zu lassen. Der gedungene Mörder offenbarte sich jedoch der Polizei.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.