Wüste Paläste - DER SPIEGEL
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TOURISMUS Wüste Paläste

Rekordjagd der Hotelplaner - auf einer künstlichen Insel vor dem Golfstaat Dubai entsteht das höchste Hotel der Welt. Kategorie: sieben Sterne.
• aus DER SPIEGEL 4/1997
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nail Sohoglu, 50, findet nur Superlative, wenn er seine Arbeitsstätte beschreibt. Ganz einzigartig sei das, was da vor Dubais Küste im Persischen Golf wachse, schwärmt der Hoteldirektor. Eine Herberge »für Staatsoberhäupter und Royalties«, ein Luxus-Logis »für die Elite der Welt«. Projektleiter Stephen Martin sieht die Sache nüchterner: »Es ist der Traum aller Architekten und der Alptraum jedes Ingenieurs.«

15 Minuten von Dubais Kamelrennbahn und 280 Meter vom Festland entfernt entsteht ein Bauwerk babylonischer Dimension. Auf einem eigens angelegten Eiland soll das »Chicago Beach Tower Hotel« 321 Meter aus dem Meer ragen - und damit den Eiffelturm ganz knapp übertreffen. Bei der Eröffnung 1998 wird es das höchste Hotel der Erde sein.

An dem Rekord werkeln 4000 Arbeiter, vergleichbar mit Europas größter Baugruft, dem Potsdamer Platz in Berlin. Neun Monate lang waren Wasserpumpen im Einsatz, um Ausschachtung und Fundament zu ermöglichen. Eineinhalb Meter dicke Träger wurden 45 Meter tief in den Meeresgrund gerammt. Tag für Tag liefern 30 Schiffscontainer neues Baumaterial.

»Jeder kann an Land bauen, aber nicht in der See. Das ist das Besondere.« Sohoglu ist überzeugt von der Standortlösung. Martin gibt sich etwas zurückhaltender: »Die Konstruktion der Insel ist eine der größten Herausforderungen. Der Kunde wollte es so.« Doch glaubt auch der Baumanager, daß das Objekt in der See ein besseres Wahrzeichen abgibt als im drögen Wüstensand des arabischen Emirats.

Vorangetrieben wird das Multimillionenprojekt von Dubais Regierung: ein kraftmeierisches Symbol. Mehrmals hat das Scheichtum die Investitionssumme aufgestockt. »Dies ist kein Prestigeprojekt für die Regierung. Die gesamte arabische Welt wird davon profitieren«, behauptet dagegen Sohoglu.

Umgerechnet etwa 2700 Mark wird die Übernachtung in dem Luxushotel kosten. Das segelförmige Gebilde umfaßt 200 doppelstöckige Suiten mit bis zu 560 Quadratmetern. Einige bieten Sauna, Bücherei und Billardzimmer. Im Service inbegriffen ist ein Butler für jeden Gast. Der Flughafentransfer erfolgt mit der Limousine über eine Brücke - oder per Helikopter. Gelandet wird auf der Hotelplattform in 212 Meter Höhe. Jacht-Reisende legen am Steg des künstlichen Strandes an.

Ob sich die Edelherberge, vollmundig als »Sieben-Sterne-Hotel« gepriesen, rentieren wird, bleibt fraglich. Doch auch an Großprojekten für Massentouristen ist derzeit weltweit kein Mangel.

So können im amerikanischen Las Vegas Freunde von Kitsch und Künstlichkeit seit Anfang Januar ab 138 Mark in einer Imitation der New Yorker Skyline nächtigen: Zwölf Wolkenkratzer wurden dort nachgebaut, darunter das Empire State Building. Weitere Attraktionen sind Modelle der Brooklyn Bridge und der Freiheitsstatue.

Die Scheinwelt namens »New York New York Hotel & Casino« bietet 2035 Zimmer, 2400 Spielautomaten und Bodenbeläge »im Design einer authentischen New Yorker Straße«. Und eine Kopie von Little Italy soll »ethnisches Flair« in die Wüste von Nevada bringen.

Ziemlich verwegen wirkt der Versuch, mit einer 100 Stundenkilometer schnellen Loopingbahn »die Nostalgie von Coney Island« einzufangen. Der 745-Millionen-Mark-Koloß ist das zweite Hotel in der Spielerstadt, das mit einer Achterbahn Besucher ködert. Auch um die Außenwand des »Stratosphere Tower«, 280 Meter über der Erde, schießt ein Gefährt.

Noch bizarrer sind Erlebnislandschaften, wie sie die Rekordjagd in Malaysia entstehen ließ. Im jüngst eröffneten »Sunway Lagoon Resort« nahe Kuala Lumpur geht im Juni der weltweit größte »Surf-Wave Pool« in Betrieb. Auf über 10 000 Quadratmetern toben Zweimeterwellen, brodeln Vulkane, rauschen Wasserfälle. Alles gesäumt von einem 170 Meter langen Sandstrand. Und alles echt künstlich. Selbst in der Nacht erlischt der schöne Schein nicht: Star-Imitationen krakeelen in Karaokezimmern, Partygäste tanzen im »europäischen Opernballsaal«.

Auch hierzulande offeriert man Gipfelleistungen. »Schwelgen Sie in totalem Luxus«, fordert das Berliner »Schloßhotel Vier Jahreszeiten« potentielle Gäste auf. Im »exklusivsten Arrangement der Welt« sind unter anderem Stadtbesichtigung per Hubschrauber und »zarte Violinenklänge bei einem romantischen Diner auf einer Yacht« enthalten. Zwei Nächte für zwei Personen kosten 20 000 Mark.

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