Amsterdam: Kampf um Anne Franks Kastanie - DER SPIEGEL
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Amsterdam Kampf um Anne Franks Kastanie

Millionen Leser des "Tagebuchs der Anne Frank" kennen den Lieblingsbaum der Autorin. Er war ein Symbol der Hoffnung für das jüdische Mädchen, das von den Nazis verfolgt wurde, untertauchte, dann im KZ starb. Jetzt soll die Kastanie gefällt werden - ein Beschluss, der Empörung auslöst.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Amsterdam - In ihrem Versteck in der Amsterdamer Prinsengracht war der Blick auf den Kastanienbaum das Einzige, was Anne Frank ein Gefühl für den Wechsel der Jahreszeiten und immer wieder neue Hoffnung vermittelte. Zwei Jahre lang lebte das jüdische Mädchen "untergetaucht" mit ihrer Familie an dem geheimen Ort, bevor sie 1945 in das Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert wurde, wo sie schließlich starb.

Jetzt soll die mittlerweile 150 Jahre Kastanie abgeholzt werden - ein Termin ist für kommende Woche anberaumt. Die Stadtverwaltung hatte erklärt, der Baum sei so stark von Pilzen und Motten befallen, dass er nicht mehr gerettet werden könne.

Dem widerspricht das niederländische Bauminstitut in Utrecht, das die Kastanie mit einer einstweiligen Verfügung retten will. Umweltschützer und Demonstranten hatten zuvor eine Initiative gegründet, um die Kastanie vor der Vernichtung zu bewahren.

Der Baum stehe "für Licht und Hoffnung, die sie nicht hatte," sagte ein Nachbar, der sich gegen die Abholzung wehrt. Die Initiative fordert ein weiteres Gutachten, bevor der Baum gefällt wird.

Während ihrer Zeit im Versteck in der Prinsengracht konnte Anne Frank den Baum von einem Dachbodenfenster aus sehen. In ihren Tagebüchern hat sie ihn immer wieder beschrieben.

Das Anne-Frank-Museum hat bereits Stecklinge von der Kastanie genommen, ein Ableger soll zur Erinnerung an den Hoffnung spendenden Baum an gleicher Stelle im Garten gepflanzt werden. Doch zuvor wird das Museum die Abholzung per Webcam im Internet übertragen: Der Baum wird im Garten zerlegt und mit einem Kran über die Häuserfront transportiert werden, heißt es auf der Internetseite des Museums.

hei/AP