Mitgliederverzeichnis Eppler räumt NSDAP-Parteimitgliedschaft ein
Berlin - Im Berliner Bundesarchiv wird in diesen Tagen hektisch in Karteikästen geblättert. Mehr und mehr prominente Namen tauchen dabei auf, aus Wissenschaft und Kunst, Politik und Medien. Nach Informationen des SPIEGEL sind in den Unterlagen über die Mitglieder der NSDAP unter anderem der SPD-Politiker Horst Ehmke, der ehemalige "Bild"-Chefredakteur und Regierungssprecher Peter Boenisch, der Soziologe Niklas Luhmann und der Philosoph Hermann Lübbe verzeichnet. Auch der einstige SPD-Bundesminister Erhard Eppler (Jahrgang 1926) taucht in der Kartei auf.
Alle genannten sind in den Jahren 1925 bis 1927 geboren. Die meisten noch lebenden Betroffenen erklärten gegenüber dem SPIEGEL, dass sie keine Erinnerungen daran hätten, je einen Aufnahmeantrag gestellt zu haben. Peter Boenisch lebt seit dem Jahr 2005 nicht mehr, Niklas Luhmann starb 1998.
Einzig Eppler sagte dem "Focus": "Ich bin nicht gegen meinen Willen auf eine Liste gekommen, sondern habe es akzeptiert. So war das damals."
Auch dem Kabarettisten Dieter Hildebrandt und den Schriftstellern Martin Walser, 80, und Siegfried Lenz, 81, war in den vergangenen Wochen vorgeworfen worden, NSDAP-Mitglieder gewesen zu sein. Übereinstimmend erklärten sie jedoch, niemals Aufnahmeanträge unterschrieben zu haben.
Die Bedeutung der NSDAP-Mitgliederkarten ist unter Historikern umstritten: Es wird für möglich gehalten, dass Parteieintritte in Sammelverfahren auch ohne Wissen der Betroffenen erfolgen konnten. Andere Experten gehen davon aus, dass in jedem Fall eine eigenhändige Unterschrift notwendig war.
cis/dpa