Nazi-Verbrechen: Massengrab im Sauerland entdeckt - DER SPIEGEL
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Nazi-Verbrechen Massengrab im Sauerland entdeckt

Seit Jahren gab es Gerüchte im sauerländischen Menden: Ein geheimes Massengrab mit Opfern aus dem Zweiten Weltkrieg befinde sich nahe der Friedhofswiese. Nun gruben Experten nach und fanden mehr als 20 Skelette, vor allem von Kindern. Ein grausiger Verdacht scheint bestätigt.
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Menden - Es gebe einen "vagen Anfangsverdacht, dass es möglicherweise Euthanasiefälle sein könnten", sagte der ermittelnde Oberstaatsanwalt heute in Dortmund. Bei der Suche nach einem Massengrab aus dem Zweiten Weltkrieg waren gestern und heute 20 Skelette von Kindern und fünf von Erwachsenen entdeckt worden. Zwei der Kinderschädel lassen darauf schließen, dass die Kinder behindert gewesen sind. Bei ihrem Tod waren die Kinder zwischen einem und sieben Jahren alt. An einem der Erwachsenenskelette wurden Amputationsnarben entdeckt.

Für weitere Untersuchungen des Grabes sind zwei Spezialisten eingeflogen worden. Die Suche soll nun auch auf eine angrenzende Kriegsgräberstätte ausgeweitet werden. Experten des Landeskriminalamtes NRW und der Dortmunder Zentralstelle für die Verfolgung von NS-Verbrechen begleiten die Arbeiten.

Berichte von Zeitzeugen und unbestätigte Gerüchte über eine "Sondergrabfläche" hatten die Suche nach dem Massengrab ausgelöst. Unterlagen über ordnungsgemäße Bestattungen auf der Fläche gibt es nicht. Die Bezirksregierung Arnsberg hat bereits seit drei Jahren versucht, Licht in das Dunkel zu bringen.

Der zuständige Dezernent der Bezirksregierung Arnsberg bezeichnete die Auffindesituation als "merkwürdig". "80 Prozent der Kinder waren in einem Durcheinander ohne Sarg beerdigt", sagte er. Es stelle sich die Frage, warum man die Kinder nicht ordentlich bestattet habe.

Nach Angaben von Experten gab es in der Gegend keine Kämpfe, denen die Kinder zum Opfer gefallen sein könnten. Zeitzeugen berichteten, dass Leichen von einem nahe gelegenen Ausweichkrankenhaus auf den Friedhof nach Menden gebracht worden seien. Das Krankenhaus war 1943 im Auftrag von Hitlers Leibarzt Karl Brandt errichtet worden. Brandt war zuständig für die Umsetzung des Euthanasie-Programms des NS-Regimes.

Den Begriff "Euthanasie" benutzten die Nationalsozialisten für den Mord an Menschen, deren Leben nach der NS-Ideologie "nicht lebenswert" war. Zwischen Herbst 1939 und Sommer 1941 fielen in den sogenannten Tötungsanstalten Grafeneck, Brandenburg, Hartheim, Pirna, Bernburg und Hadamar rund 70.000 Menschen dem Rassenwahn zum Opfer. Die meisten von ihnen wurden durch Vergasungen und Injektionen umgebracht.

Zehntausende Behinderte wurden nach der Einstellung des Programms in geheim weitergeführten Aktionen getötet. So wurden nach Angaben des Deutschen Historischen Museums Berlin viele Patienten öffentlicher Heil- und Pflegeanstalten durch Injektionen oder durch eine Überdosis Beruhigungsmittel ermordet.

han/dpa