Schweizergarde Die Hirten des Hirten
Das Angesicht der Schweiz hat nichts mit Roger Federer zu tun. Auch nichts mit irgendwelchen Gnomen aus Zürich oder mit unrasierten Hinterwäldlern, die ihren Kindern Obst vom Kopf schießen.
Das Gesicht der Schweiz ist jetzt, um die Mittagszeit, schweißglänzend, leicht gerötet und steckt an diesem Festtagsmorgen unter einem mit Straußenfederpuscheln geschmückten Landsknechtshelm, vom Schnitt her ungefähr aus der Wintersaison 1530/31.
"Schau mal, die Schweizer ...!" - "Look, Mom, these funny dresses!" - "Ma, davvero questi ..." Immer die gleichen Rufe. Immer die gleichen Fotos. Und das in der Hitze.
Unter dem alten Papst kam das Pilgern wieder in Mode. Unter dem neuen haben sich die Ströme der Rom-Besucher nochmals verdoppelt. Und alle, alle!, wollen die Schweizer sehen. Alle wollen ihr Foto, denn wer auf seinem Chip keinen Landsknechtshelm mit Schweizergesicht darunter hat, der kann nicht in Rom gewesen sein.
Es ist der 6. Mai 2007. Genau vor 480 Jahren, die Älteren erinnern sich noch, waren hier wilde Horden von teutospanischen Haudegen in den Vatikan eingedrungen. Papst Klemens VII. konnte sich in letzter Minute durch den "Passetto", einen unsichtbar auf der Trutzmauer verlaufenden Gang, in die Engelsburg retten. Seine tapferen Schweizer hielten ihm den Rücken frei, fielen heldenhaft und punktgenau vor dem Hochaltar Petri, und Kommandant Kaspar Röist wurde später im Quartier vor den Augen seiner Frau auf barbarische Art niedergemetzelt. Von 189 Schweizern überlebten nur jene 42, die den Papst unter der Führung des Herkules Göldli zur Engelsburg begleitet hatten.
Soviel zum Thema funny dresses am 6. Mai.
Bahnbetriebsdisponent Michel Kopp aus Sargans im Kanton St. Gallen kam zur Garde, weil man nicht sein Leben lang Bahnbetriebsdisponent in Sargans sein möchte: "Es war so eine Idee. Das Ausland mit Arbeit zu verbinden. Und dazu das Prestige. Ich meine, es ist schon etwas, wenn man in den Ferien als Schweizergardist auftritt", sagt er.
Dann schiebt der 24-Jährige, vorschriftsmäßig freundlich, eine etwas verwirrte römische Rentnerin aus dem Tor hinaus: "Die kommt jeden Tag und fragt nach einem bestimmten Gardisten. Sie will ihn heiraten."
Der Wachtdienst am Sant'Anna-Tor besteht aus zweimal sechs Stunden Nervenbehalten. "Es ist ein einziger Menschenstrom. Den ganzen Morgen wirst du bombardiert mit Fragen: Wo geht's zum Museum? Seid ihr wirklich Schweizer? Warum stehen hier Schweizer?" Tja.
Jeder kennt die Schweizergarde, die älteste und kleinste Armee der Welt. Aber hat sie im Jahre VI nach Mohammed Atta noch irgendeine Funktion oder ist sie nur Pittoreske, ein besserer Trachtenverein mit Uniformen, die schon auf Stendhal "grotesk" wirkten? Das war im 19. Jahrhundert.
Dan Brown schildert die Garde in seinem Bestseller "Illuminati" als eine mit Hightech-Waffen ausgerüstete Elitetruppe, eine Art "Seals" in Renaissance-Camouflage.
Die Autorin und langjährige SPIEGEL-Korrespondentin Valeska von Roques schreibt, die Schweizer, samt Michel Kopp aus Sargans, hätten "in eine päpstliche Leibstandarte von blind ergebenen ,Mönchs-Soldaten'" umgewandelt werden sollen. Weswegen 1998 der Kommandant Alois Estermann und seine Gattin Gladys auch hätten sterben müssen.
Für die meisten Touristen dagegen sind die Schweizergardisten so wie die ganze Eidgenossenschaft - possierlich, nett, ein wenig altmodisch und im Ganzen ziemlich harmlos.
Ein paar Tage zuvor saß der Gardekommandant Oberst Elmar Mäder in seinem Dienstzimmer. Er sagt: "Der Schweiz mangelt es an Identitätssymbolen. Käse gibt es auch anderswo, Uhrenfabriken sind pleite gegangen, ebenso die Swissair, und der Ruf der Banken ist angekratzt. Unser Ego ist angeknackst. Aber die Garde gab es immer schon. Wir stehen für das Beständige, ein wenig Unverrückbare, die präzise Pflichterfüllung."
Der Kommandant ist ein großer Mann mit markanten, dunklen Brauen. Bei den Audienzen läuft er immer rechts vorne neben dem Papamobil. Als neulich ein wirrer Bamberger dem Papst zu Füßen springen wollte, landete er in den Armen Mäders und wurde rasch zu Boden gerungen.
Mäder war der erste Nichtgeistliche, der am 19. April 2005 den neuen Papst zu Gesicht bekam. Er stand während des Konklaves in Galarüstung vor der Tür der Sixtinischen Kapelle, und als die Tür sich öffnete, kniete er vor dem Benedikt gewordenen Joseph Ratzinger nieder: "Ich weiß noch, wie aus dem Gewand des neuen Papstes der schwarze Pullover hervorschaute. Er hatte noch nicht einmal an Manschettenknöpfe gedacht. Das war für mich der Beweis, dass Kardinal Ratzinger nicht mit seiner Wahl gerechnet hatte."
"Wir sind nicht altmodisch", sagt der Kommandant. "Die Renaissance-Uniform erfüllt ihren Zweck in der Moderne. Sie ist ein Willkommensgruß an die Touristen und Pilger. Die Gardisten können ihre Aufgabe besser erfüllen, wenn sie nicht zu martialisch daherkommen."
Die Not trieb die Schweizer nach Rom
Elmar Mäder wollte eigentlich Finanzinspekteur werden. Er ist Jurist und kam als Quereinsteiger, weil er "etwas für den Papst tun" wollte. Nun toasten manche Politiker bei Empfängen gern auf die Garde, als würde diese einen internationalen Friedensdienst leisten, als "Partner und Helfer" (Adolf Ogi), eine Art Blauhelm in Blaugelb.
Mäder sieht das anders. Er ist kein Modernist, genauso wenig wie sein Chef Benedikt XVI. einer ist. Für ihn ist die Garde keine Arbeits-, sondern eine Lebensgemeinschaft. Er möchte den Dienst wieder stärker als Gottes-Dienst verstanden wissen. Er sagt: "Die erste Motivation der Gardisten ist, etwas für die Kirche zu tun. Die Entdeckung des eigenen Glaubens gehört zu dem Abenteuer, Schweizergardist zu werden. Dazu kommt die Möglichkeit, in einem Sicherheitsmetier internationale Erfahrung zu machen. 40 Prozent der Ehemaligen sind in Sicherheitsberufe gegangen."
Nun ist die Ursprungsgeschichte der Schweizer nicht unbedingt eine fromme. Julius II. alias "Der Schreckliche" brauchte eine persönliche Schutzgarde bei seinen Kriegs- und Winkelzügen. Und weil eine Spanische Garde - auch dort gab es berühmte Söldner - leicht zur 5. Kolonne hätte werden können, schickte er den Schweizer Kleriker Petermann von Hertenstein nach Norden.
Die italienischen Renaissancefürsten hatten ein durchaus eigenes Bild von dem Bergvolk. Die Helvetier galten als geldgierig und brutal, hatten den Ruf "eines vorzivilisierten Barbarenvolkes: tierhaft wild, ungezähmt und oft genug unbesiegbar im Kampf, doch wie das einfache Volk, dessen Wesenszüge es teilt, mit der Anleitung und Zügelung durch eine Klugheitselite bedürftig." So der Historiker Volker Reinhardt aus Fribourg.
Ausgestattet war Petermann mit einer Anweisung von 4900 Großdukaten an das Bankhaus Fugger und einer päpstlichen Breve, datiert vom 21. Juni 1505. Darin wünschte Julius II. "200 gwardiknechten" als Personen- und Objektschutz im Vatikan. Schmeichelnd war in dem Schreiben von notwendiger "armorum peritia", Waffengeschick, die Rede und von "fides", wobei mit letzterem nicht "Glaube", sondern "Treue" gemeint war.
Es war die Not und nicht der Glaube, der die Schweizer nach Rom trieb. "Reisläufer" waren es, die von der eigenen Feldsucht und dem Hunger ihrer Täler auf die Reis' in den Krieg ziehen ließen. Daran hat sich viel, aber nicht alles geändert. Warum sonst würden potentielle Rekruten mit der Aussicht auf festen Sold und gute Berufsaussichten danach geworben?
Die Kaserne der Garde liegt am Sant'Anna-Tor, passenderweise gleich gegenüber vom Geldspeicher des Kirchenstaats, einem Turm mit meterdicken Mauern, in dem die Vatikanbank ihre Büros hat. Im Hof vor der Kaserne steht eine Ulme, auf der Kanone im Exerzierhof reitet ein kleines Mädchen und hat einen Muffin in der Hand. Der Sohn eines Offiziers feiert seinen fünften Geburtstag.
Gut geölt reihen sich die Brustpanzer
Im Keller der Kaserne findet sich das Museum der Garde - nein, Moment: Die "Armeria" sieht nur so aus, mit all den Spießen, Hellebarden, der Armbrust und den Spalieren von Vorderladern, Musketen, Zündnadelgewehren. Aber es ist die Waffenkammer der Garde. Mag sein, dass es furchtbarere Arsenale gibt als das des Schweizerregiments. Aber keines mit einem einsatzbereiten Morgenstern.
Man sieht das Sturmgewehr der Marke Mauser und beeindruckende Langschwerter. An Bügeln hängen die Winter- und Paradeuniformen, gegenüber reihen sich, gut eingeölt, die Brustpanzer. Viele sind zu einer Zeit geschmiedet worden, als in Europa noch Hexen verbrannt wurden, vor 300 Jahren.
Da liegt der Galahelm des Kommandanten, mit ziseliertem Wappen und weißem Straußenfederbusch. Jeder Gardist bekommt Pfefferspray, persönliche Hellebarde, fünf Bügel und drei Uniformen. Dass Michelangelo deren Designer gewesen wäre, ist eine Legende. Das Gelb-Blau ist die Farbe der Medici, und entworfen wurden sie sogar erst Anfang des 20. Jahrhunderts. Bis dahin trug die Garde - Aufnahmen beweisen das - Pickelhauben und bisweilen sogar Kaiser-Wilhelm-Bärte. Das war grotesk.
So schaffte es Oberst Jules Repond 1914 ab und befahl seinen Schneidern, zurück an die Wurzeln zu gehen: Halskrause, Samtwams, Cinquecento-Helm und Pluderhose. Da begann gerade der Erste Weltkrieg.
Wer Gardist ist, ist mindestens 1,74 Meter groß, höchstens 30 Jahre alt und katholisch, er hat gedient, den Schweizer Pass und keine Frau. Das alles ist an sich nicht schwer. Trotzdem muss Elmar Mäder "Schnupperwochen" anbieten, um sein Regiment auf Sollzahl zu halten. Die Jungschweizer prügeln sich nicht darum, im Vatikan Dienst zu tun.
Zwar ist der Sold mit 1200 Euro netto (plus Überstunden, minus 100 Euro für die Mensa) nicht so schlecht. Es gibt einen 13. Monatslohn, Billard-, Pingpong- und Krafträume. Es gibt eigentlich nur einen Nachteil: Es ist wie beim Militär.
Die Rekruten schlafen in Mannschaftsräumen und müssen um Mitternacht zum Zapfenstreich wieder in der Kaserne sein. Dann geht das Leben auf dem Campo dei Fiori aber erst los. Stundenlanges Einzel- und Verbandsexerzieren, Grüßenüben und Gradestehen. In der Regel keine Freundin. Später, nach der Ausbildung, kommen die Nachtwachen dazu, das Sich-anstarren-Lassen am Anna-Tor. Mindestens zwei Jahre lang.
Es hat einen farbigen Gardisten gegeben, einen aus Indien stammenden Adoptivschweizer. Der wurde am Sant'Anna-Tor noch hemmungsloser fotografiert als seine Kollegen, kam mit dem Ruhm nicht zurecht, schied aus und irrte danach noch jahrelang durch die Kneipen des angrenzenden Viertels Borgo Pio.
Es ist und bleibt ein Kasernenleben. Für die Frauen der Offiziere gibt es von Zeit zu Zeit eine Tupperware-Party auf der Dachterrasse der Kaserne, mal eine Einladung und im ehemaligen Bahnhofsgebäude seit neuestem auch eine Boutique. Dennoch ist der Vatikan eine Welt der Männer. Jahre hat es gedauert, bis die Kurie dem Bau eines Spielplatzes für die Schweizerkinder in den vatikanischen Gärten zugestimmt hat. Ging es nicht ein halbes Jahrtausend auch ohne?
Nun umfasst die Ausbildung eines Gardisten Techniken des Ordnungsdienstes, der Personenkontrolle, Exerzieren, ein wenig Schießen und eine Einführung in den Gebrauch der Hellebarde ("Den Haken brauchte man, um den Pferden die Sehnen durchzuschneiden, mit der Spitze wurde die Rüstung geknackt, so etwa ..."). Dazu Italienischsprechen, eventuell ein Instrument und die Kunst der Selbstverteidigung. Mit anderen Worten: Ein Schweizergardist lernt vieles, aber nicht, wie man einen Papst beschützt.
Lediglich die Offiziere haben beim "Schutzdetachement des Bundesrats" eine Spezialausbildung im Personenschutz absolviert. Nur sie haben trainiert, wie man sich einem Attentäter in den Weg stellt. Nur sie verfügen über eine Dienstpistole.
Was also passiert bei einem Anschlag auf den Vatikan? Falsche Frage. Denn es gibt keine Antwort. Vielleicht gäbe es eine, wenn die Schweizer tatsächlich für die Sicherheit im Vatikan allein verantwortlich wären. Aber so ist es nicht.
Oberst Mäder und sein 109-Mann-Heer sind der kirchlichen Autorität unterstellt, dem Staatssekretariat. Der weltlichen Autorität im Kirchenstaat, dem governatorato, unterstehen außerdem 130 Gendarmen, und dann sind da auch noch die italienischen Carabinieri. Beide stehen sie untereinander in heftiger Konkurrenz und sind gleichermaßen überzeugt, mit allen Sicherheitsproblemen sehr gut allein fertigzuwerden.
Ähnlich wie die Schweiz immer wieder erschrocken bemerkt, dass sie von Nachbarn umgeben ist, so hat auch die Schweizergarde mit der Tatsache zu kämpfen, dass sie nicht allein ist auf der Welt.
Der Vatikan liegt in Italien und ist im Kern eine Bürokratie, die nach dem Prinzip funktioniert: Jeder ist pro forma für etwas zuständig, und jeder sieht zu, dass er überall mitreden kann.
Den von Dan Brown in "Illuminati" beschriebenen War-Room der Garde, mit auf CNN geschalteten Fernsehern und elektronischen Karten an der Wand, gibt es nicht. Es gibt nur eine sala operativa mit etlichen Bildschirmen, und die gehört allein der Gendarmerie.
Für die Personenkontrolle am Petersplatz sind Gendarmen und Carabinieri zuständig, für die an den Toren Garden und Gendarmen. Bei Großveranstaltungen auf dem Petersplatz machen Schweizer (in Zivil) den Ordnungsdienst, daneben die Gendarmen und die Leute von der "Pubblica Sicurezza". Sobald der Papst den Platz betritt, muss die italienische Staatspolizei das Feld räumen. Wie das eine vom anderen zu trennen ist, war einem Außenstehenden nicht begreiflich zu machen. Einzig im Apostolischen Palast, wo Papst und engste Mitarbeiter wohnen, hat die Garde das alleinige Sagen. Dort hat seit 1970 kein Gendarm mehr einen Fuß hineingesetzt. Für den Nahschutz des Papstes nun, das Allerwichtigste, sind fünf Schweizer Offiziere zuständig. Und natürlich auch ihre Kollegen von der Gendarmerie. Keiner trägt eine Schutzweste, keiner eine Waffe, das hat Johannes Paul II. so verfügt. Mit anderen Worten: Eine der mächtigsten Personen der Gegenwart wird mit zehn Dosen Pfefferspray beschützt. Und von fünf bloßen Körpern der Schweizer, die geschworen haben, notfalls ihr Leben für den Papst hinzugeben.
Ist das Naivität, ist das Glaube? Seit Jahren schon, regelmäßig zur Eröffnung des Gerichtsjahrs, drängt der "Promotor Iustitiae" des Vatikanstaats, nun endlich dem Schengen-Abkommen beizutreten. Doch der Vatikan konnte sich bislang nicht zu dem Schritt durchringen. Stattdessen meinte Benedikt XVI. in seiner Ansprache an die Sicherheitsleute im Kirchenstaat: "Lasst uns den mütterlichen Schutz der Jungfrau erbitten ..." Vielleicht hat er sogar recht. Gegen gezielte terroristische Intelligenz sind all die Scanner und Schnüffelapparate auch nicht effizienter als ein gut eingefetteter Morgenstern.
Doch zurück ins Heute, den 6. Mai, wo der Petersplatz wieder vollgeparkt ist mit Wagen, die ein CH am Heck tragen. Bundesrat Samuel Schmid ist angereist, und in der großen Audienzhalle "Paul VI." sitzen hinter diversen Vatikanbotschaftern und Kurialen die Familien und Freunde der 38 neuen Rekruten: Es ist der Tag der Vereidigung.
In voller Galamontur ist Oberst Mäder auf der Bühne zu sehen, neben ihm der Gardekaplan, Monsignore Alain de Raemy. In Dreierreihen stehen die Neuen, komplett mit Brustpanzer und Ärmelschutz. Daneben die "Banda", der gardeeigene Spielzug.
So wahr Gott und seine Heiligen ihnen helfen
Dann kommt es zum Schwur. Ein Uhrwerk setzt sich in Bewegung. Auf ein Zeichen hin gibt ein Gardist in ruckhaften Bewegungen seinem Nebenmann die Hellebarde, tritt vor, dreht sich, als tanze er einen Moonwalk und läuft im Paradeschritt zur Fahne vor. Etwas zeitversetzt macht sich schon ein anderer in der Formation bereit, in den gleichen maschinenhaften Bewegungen. Dann ein dritter. Es wird ein Kommando gebrüllt: "Schwören!"
(Bei der Garde kann jeder reden, wie er will. Aber kommandiert wird auf Deutsch.)
Der Schwur der Schweizer lautet: "Ich schwöre, treu, redlich und ehrenhaft zu dienen dem regierenden Papst Benedikt XVI. und seinen rechtmäßigen Nachfolgern, und mich mit ganzer Kraft für sie einzusetzen, bereit, wenn es erheischt sein sollte, selbst mein Leben für sie hinzugeben. Ich übernehme dieselbe Verpflichtung gegenüber dem Heiligen Kollegium der Kardinale während der Sedis-Vakanz des Apostolischen Stuhles."
Das soll geschworen werden? Sein junges Leben als Bahndisponent, Konditor oder Zimmermann hingeben für jemanden, dem sowieso der Himmel sicher ist?
Ganz genau das wird geschworen. Jeder tritt einzeln nach vorne, packt die Regimentsfahne mit der Linken, reißt die Rechte mit abgespreizten drei Fingern (je einen für den Vater, den Sohn, den Heiligen Geist) hoch und brüllt in seinem jeweiligen Dialekt: "Ich schwöre, alles das, was mir soeben vorgelesen wurde, gewissenhaft und treu zu halten. So wahr Gott und seine Heiligen mir dabei helfen." - "Ab!"
Das war's.
Das ist es. Das Einzigartige, völlig Unzeitgemäße und Ungeheure dieser Einrichtung ist dieser Moment. Ein Moment weltlicher Transzendenz, in dem vor allen erklärt wird, mit seinem Leben für etwas einzutreten. Die Schweizergarde ist keine Leibstandarte und kein Mönchsorden, sie ist kein Trachtenverein und ebensowenig eine Elitetruppe in Blaugelb. Sie ist etwas ganz Schlichtes, eine Eidgenossenschaft.