Zoff um Sitzplatz Ministerin flippte im Flugzeug aus
Johannesburg - "Ich habe der Stewardess gesagt, dass ich nicht neben ihr sitzen will, weil sie in Südafrika für den Tod Tausender verantwortlich ist", sagte der Unternehmer Jens von Wichtingen über die Ministerin Manto Tshabalala-Msimang, die wegen ihrer Aids-Politik heftig umstritten ist. Er sei auf dem Flug von Frankfurt nach Kapstadt in der Ersten Klasse auf die Politikerin gestoßen und habe nicht neben ihr Platz nehmen wollen.
Die erboste Ministerin habe ihn wiederholt beschimpft und sei ihm dann gar zu seinem neuen Sitzplatz gefolgt, um eine weitere Schimpftirade auf ihn loszulassen. "Ich habe regelrecht gezittert, die Frau hatte völlig ihre Fassung verloren", sagte der 37-Jährige, der aus Gera stammt und seit zehn Jahren in Kapstadt lebt. Eine Stewardess habe die wütende Frau dann weggeführt und versucht, sie zu beruhigen. Schließlich musste gar der Flugkapitän gerufen werden. Der Rest des Fluges verlief dann offenbar normal. Eine Ministeriumssprecherin bestätigte der südafrikanischen Nachrichtenagentur Sapa, dass es einen "Zwischenfall" gegeben habe.
Die Opposition in Südafrika verurteilte den Vorfall, über den am Mittwoch auch die Zeitung "Die Burger" berichtete. Die Demokratische Allianz (DA) erklärte, es sei an der Zeit, dass die Ministerin endlich gefeuert werde und sich öffentlich entschuldige. Die Vereinigte Demokratische Bewegung (UDM) betonte: "Wir finden es überaus erstaunlich, dass die Ministerin derartige Empörung ausdrückt, wenn sie mit der einfachen Tatsachenerklärung konfrontiert wird, dass sie direkt für den Tod Tausender HIV/Aids-Leidender verantwortlich ist."
Tshabalala-Msimang steht zurzeit am Kap im Kreuzfeuer der Kritik, weil sie sich weigert, so genannte anti-retrovirale Medikamente an HIV-Infizierte landesweit ausgeben zu lassen. Die wichtigste Aids-Hilfsorganisation des Landes, Treatment Action Campaign (TAC), hat sie daher wiederholt öffentlich angeprangert. Jeder neunte Südafrikaner gilt als mit dem Aids-Virus infiziert.