Zu nass, zu kalt: Kommt der Sommer noch? - DER SPIEGEL
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Zu nass, zu kalt Kommt der Sommer noch?

Das wochenlange Regenwetter hat den Sommer bisher ins Wasser fallen lassen. Nun wäre wieder mehr Sonne fällig. Doch die Aussichten sind trübe...
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Ein von Norddeutschland südostwärts wanderndes Tief führt auf seiner Rückseite kühle Meeresluft nach Deutschland", so oder ähnlich schlecht lautet seit Wochen die Wettervorhersage. Verhangener Himmel, Dauerregen, Schauer und Gewitter und etwa 18 Grad - der Sommer konnte sich in diesem Jahr bislang noch nicht zu einem Lächeln durchringen.

Den Deutschen scheint zurzeit nur eines, und zwar, dass sich die alte Bauernregel vom Siebenschläfer einmal mehr bewahrheitet. Wenn es am 27. Juni regnet, so lehrt die Erfahrung, dann sind die Aussichten für die nächsten Wochen trübe: "Wenn die Siebenschläfer Regen kochen, dann regnet's ganze sieben Wochen". Laut Wetterstatistik eine Legende, aber schaut man sich das Wetter der letzten Wochen an, steht fest: Dieser Juli war entschieden zu nass, zu kalt und zu trist. Nach Messungen des deutschen Wetterdienstes fiel in diesem Monat in weiten Teilen Deutschlands viel mehr Regen als sonst. So wurden in Köln statt der üblichen 84 Liter 178 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen. Auch in Erfurt, Freiburg und Nürnberg fielen 50 Prozent mehr Niederschläge als sonst.

Ein weiteres Ergebnis der trüben Wetterbilanz, bei der die Werte der noch fehlenden Juli-Tage vom Computer errechnet wurden: Auch die Sonne ließ sich zu selten blicken - in der Mitte und im Osten wurden gerade 55 Prozent des Monatssolls erreicht, im Süden gerade 70 Prozent.

Dazu passte, dass es bundesweit im Durchschnitt fast zwei Grad zu kalt war. Die Hoffnung auf baldige Besserung lassen inzwischen selbst Fachleute fahren: "Den Sommer 2000 habe ich persönlich schon längst abgehakt", sagt Stefan Külzer vom Deutschen Wetterdienst. Wie viele Deutsche fliegt er bald in den Süden, um Sommersonne zu tanken.

Auf trockenes Wetter hoffen auch die Landwirte, die sich vor einer drohenden Missernte fürchten. Wegen des wochenlangen Regens konnten Wintergerste, Raps und Roggen vielfach immer noch nicht geerntet werden.

Während ganz Deutschland nach Sonne lechzt, freuen sich die Kinobesitzer über die trüben Aussichten: Sie können gestiegene Umsätze und Besucherzahlen verbuchen. Zu dem geschätzten Umsatzplus von mehr als zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat hätten zwar auch attraktive Filme wie "Der Sturm" und "Mission Impossible II" beigetragen. "Aber viele Kinobesuche haben wir sicher auch dem schlechten Wetter zu verdanken", so Johannes Klingsporn, Geschäftsführer des Verbandes der Filmverleiher.