Züricher Vorort: Knapp an der Katastrophe vorbei - DER SPIEGEL
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Züricher Vorort Knapp an der Katastrophe vorbei

Eine Siedlung am Rande Zürichs ist beim Absturz einer Schweizer Passagier-Maschine nur um Haaresbreite einer Katastrophe entgangen. Das zweimotorige Propeller-Flugzeug stürzte zwei Minuten nach dem Start Richtung Dresden auf einen Acker - nur 250 Meter vom nächsten Haus von Nassenwil entfernt. Zehn Menschen starben.
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Zürich - Alle sieben Passagiere, darunter vier Deutsche, und die drei Crewmitglieder kamen bei dem Unglück ums Leben. Die Absturzursache war am Dienstag noch unklar. Flugexperten spekulierten über einen Triebwerksausfall. Dies könnte zu der abrupten Richtungsänderung der Saab 340 geführt haben, die die Fluglotsen eine Minute nach dem Abheben beobachteten. Die Maschine war in eine Rechtskurve gegangen, anstatt wie im Flugplan vorgesehen nach links abzubiegen.

Augenzeugen meinten, der Pilot habe die Maschine in letzter Minute von den Häusern weg auf den Acker gesteuert. 1994 war in Amsterdam eine Saab 340 der niederländischen KLM nach einem Triebwerksfehler fünf Minuten nach dem Start umgekehrt. Bei der Bruchlandung in Amsterdam waren ein Besatzungsmitglied und zwei der 21 Passagiere ums Leben gekommen.

Zwei der deutschen Passagiere im Alter von 23, 31, 36 und 48 kamen nach Angaben der Crossair wahrscheinlich aus Sachsen. Einer der Männer wohnte in Süddeutschland, der vierte in der Schweiz. Die anderen sechs Opfer kamen aus Frankreich, der Schweiz, Spanien, Moldawien und der Slowakei. Die Crossair bot allen Angehörigen an, sie zur Absturzstelle zu bringen. Unabhängig von der Schuldfrage bot der Chef der SAir-Group, Philippe Bruggisser, den Angehörigen eine Sofortzahlung von 30.000 Franken (36.000 Mark) je Opfer an. Crossair ist wie Swissair Mitglied der SAir-Group.

Die Bergung der Opfer und Wrackteile gestaltete sich schwierig. Die Maschine war mit großer Wucht auf den Boden geprallt und hatte sich metertief in den nassen Ackerboden gebohrt. Nur zehn Prozent des Wracks waren sichtbar. Die Wrackteile lagen im Umkreis von 500 Metern verstreut. Die Ermittler hatten bis zum Nachmittag weder den Flugdatenschreiber noch den Voice Recorder gefunden.

Nach Angaben der Flugsicherung verlief der Start um 17.54 Uhr bei gutem Wetter völlig normal. Der Pilot gab keinerlei Alarmzeichen. Eine Minute nach dem Abheben beobachteten die Fluglotsen die Rechtskurve. Sie forderten den Piloten zur Korrektur auf. "Stand-by - einen Moment bitte", funkte der Pilot zurück, ehe der Kontakt abbrach. Die Maschine hatte erst gut sieben Kilometer zurückgelegt und flog auf einer Höhe von 1000 Metern. Sie fiel nach Augenzeugenberichten fast senkrecht vom Himmel.

Die Crossair unterzog noch in der Nacht alle ihre Maschinen vom Typ Saab 340 einer technischen Untersuchung. Es habe keine Beanstandungen gegeben, sagte Richard Heideker, Marketing-Leiter von Crossair, in Dresden. Der Flugverkehr auf der dreimal täglich von Crossair bedienten Linie Zürich-Dresden-Zürich laufe wieder normal.

Nach Angaben von Fritz Grotz, dem technischen Direktor der Crossair, stürzte außer der KLM-Maschine 1994 vor zwei Jahren eine weitere Maschine des gleichen Typs kurz nach dem Start ab. Die Maschine der Formosa Air mit 13 Menschen an Bord verunglückte 1998 vor Taiwan. Sie stürzte ins Meer und wurde nicht geborgen.

Noch am Montagabend waren Experten von SAir nach Dresden geflogen, um Angehörige der Opfer zu betreuen. Das Expertenteam war nach dem Absturz einer Swissair-Maschine vor 16 Monaten vor Halifax zusammengestellt worden. Beim Absturz der MD-11 waren alle 229 Menschen an Bord ums Leben gekommen.