Zugspitze Glimpflicher Lawinenabgang
Grainau - Ein bis zu 200 Meter breites und 50 Meter langes Schneebrett hatte sich am Vormittag gelöst und war vom Schneeferner Kopf, einem kleinen Gletscher der Zugspitze auf 2900 Metern Höhe, in den Pistenbereich hinunter gedonnert. Zum Zeitpunkt des Lawinenabgangs hatten sich auf Deutschlands höchstem Berg (2962 Meter) an die 600 Wintersportler aufgehalten. Sofort nach Bekanntwerden des Unglücks starteten die Rettungsmannschaften bei eisigen Temperaturen von bis zu minus 17 Grad eine große Suchaktion in dem vier bis fünf Meter hohen Schnee.
Die Lawine hatte jedoch nur mit einem Ausläufer den Rand eines Skigebiets getroffen. Ein dort verlaufender Lift war zudem wegen Wartungsarbeiten nicht in Betrieb gewesen. Ein Bergwachtsprecher sagte, nach Augenzeugenberichten sei der betroffene Hang während des Lawinengangs nicht befahren worden. "Natürlich war Glück dabei, dass nichts passiert ist", sagte der Polizeisprecher. "Wer sich zufällig dort befunden hätte, hätte keine Chance gehabt."
Ein Amateurfilmer hatte den Lawinenabgang gefilmt. Etwa zwei Drittel des betroffenen Gebiets waren auf dem Film sichtbar. In diesem Bereich wurden keine Menschen entdeckt, so dass sich die Suche auf das restliche Drittel konzentrierte.
An der Aktion waren neben Beamten und Hundeführern der Alpinen Einsatzgruppe der Polizei knapp 100 Bergwachtmänner mit Lawinensuchhunden beteiligt. Sogar die österreichische Bergrettung war vor Ort. Auch ein Polizeihubschrauber beteiligte sich an der Suchaktion. Die Bergretter durchkämmten mit Sonden das gesamte Gebiet, entdeckten jedoch niemanden unter den Schneemassen. Bei den Einsatzkräften gingen auch keine Vermisstenmeldungen ein.
Erst Ende Dezember waren bei einem Lawinenunglück nahe Galtür im österreichischen Bundesland Tirol neun Deutsche ums Leben gekommen. Die schlimmste Lawinenkatastrophe auf der Zugspitze hatte es vor 35 Jahren gegeben. Am 15. Mai 1965 starben dabei zehn Menschen, 23 wurden verletzt.