Zwölf Jahre Krieg mit Hunderttausenden Toten und über 14 Millionen Geflüchteten und Vertriebenen, Vorwürfe zahlreicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit und doch: Im Mai darf Syriens Diktator Baschar al-Assad nach mehr als elfjähriger Suspendierung wieder an einer prunkvollen Konferenz der Arabischen Liga teilnehmen. In Dschidda wird Assad von Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman mit Wangenkuss begrüßt, auch er ist nach dem mutmaßlichen Auftragsmord am Journalisten Jamal Khashoggi längst rehabilitiert.
Die schweren Erdbeben, die den ohnehin kriegsgeschundenen Nordwesten Syriens im Februar schwer getroffen hatten, spielen Assad in die Hände. Die Vereinten Nationen entsenden Hilfskonvois, frühere Rivalen schicken wieder Unterstützung, andere wollen die abgebrochenen diplomatischen Kanäle reaktivieren. Vorangetrieben wird Assads Rückkehr auf die Weltbühne auch vom Nachbarland Jordanien, das auf die Ausreise Hunderttausender syrischer Geflüchteter hofft. Für den seit Jahren weitgehend isolierten Machthaber ist es ein beachtlicher Erfolg. Mit seinen Schergen kontrolliert er noch immer zwei Drittel Syriens, die Finanzierung des Regimes erfolgt offenbar wesentlich durch die Produktion und den Export von Rauschgift.