Zurwehme gefasst "Ich bin der, den Sie suchen"
Greifswald - Die beiden Polizisten griffen am Donnerstagmorgen um 9.20 Uhr zu. Ein Autofahrer hatte den mutmaßlichen "Mörder von Remagen" erkannt und die Polizei informiert. Zurwehme ist laut Polizei trotz der langen Fahndung in einem körperlich guten Zustand. Er trug ein Messer am Gürtel und war mit einer Gaspistole bewaffnet. Zurwehme ließ sich mit den Worten "Ich bin der, den Sie suchen" widerstandslos festnehmen. Letzte Zweifel über die Identität des Festgenommenen ließen sich über den Vergleich der Fingerabdrücke ausräumen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wurde Zurwehme nach seiner Festnahme zunächst nach Pasewalk gebracht. Dort holten ihn Beamte des LKA Rheinland-Pfalz ab und brachten ihn per Hubschrauber am späten Nachmittag nach Koblenz.
Zwischen dem Tipp an die Polizei von einem Bürger und der Festnahme des Mörders hätten nur wenige Minuten gelegen, sagte ein Polizeisprecher. Die beiden Beamten, die Zurwehme stellten, beschrieben die Festnahme als eine polizeiliche Routinesache. Der Verbrecher sei in der Greifswalder Innenstadt zu Fuß unterwegs gewesen, sagte Polizist Hermann Seeck, 51. Erst im Nachhinein habe er mit seinem Kollegen Horst Ebeling, ebenfalls 51 Jahre alt, über den Fall nachgedacht.
Zurwehme war im Dezember 1998 von einem Freigang nicht mehr in die Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Senne zurückgekehrt. Dort saß er seit 1974 wegen Mordes ein. Im März dieses Jahres soll er zwei Ehepaare in Remagen am Rhein mit äußerster Brutalität ermordet haben. Zurwehme wurde monatelang fast im ganzen Bundesgebiet von Polizei, Zielfahndern und Spezialkräften gesucht. Die Chronologie seiner Flucht und der Orte, an denen er angeblich gesehen wurde, wurde lang und länger.
Über den "Mörder von Remagen" wird wohl das Koblenzer Landgericht urteilen. "Wenn der Tatvorwurf so bleibt, ist das sicherlich anzunehmen", sagt Oberstaatsanwalt Volker Bewernick. Der Termin des Prozessbeginns sei aber noch unklar. "Das hängt unter anderem davon ab, wie lange das Ermittlungsverfahren läuft."
Entnervte Fahnder, umstellte Felder, falsche Fährten: Die Suche nach Zurwehme glich zuweilen dem Versuch, eines Phantoms habhaft zu werden. Der Verbrecher, dem das Landeskriminalamt Mainz eine "hohe soziale und emotionale Intelligenz" bescheinigte, war in mehreren Bundesländern gesehen worden, konnte der Polizei aber immer wieder entkommen. "Da werden Hundertschaften auf Zurwehme angesetzt, und dann nehmen ihn zwei Polizisten mitten in Greifswald fest", stellte ein Polizeisprecher in Schwerin nüchtern fest. Auf Zurwehmes Konto gehen allein während seiner Flucht mindestens eine versuchte Vergewaltigung sowie mehrere Raubüberfälle und Diebstähle.
Der Schweriner Innenstaatssekretär Hartmut Bosch sagte, für den Einsatz eines Sonderkommandos bei der Festnahme sei keine Zeit gewesen. "Wenn unsere Beamten nicht sofort gehandelt hätten, wäre Herr Zurwehme mit hoher Wahrscheinlichkeit erneut weg gewesen."