Zurwehme Sonderfahndung beendet
Stadthagen - "Seit Sonntagnachmittag sind keine neuen Hinweise mehr eingegangen. Die Tipps aus der Bevölkerung wurden außerdem immer schlechter", sagte der Einsatzleiter der niedersächsischen Kriminalpolizei, Dietrich Klingbeil. Zuletzt wollten Zeugen Zurwehme bundesweit und sogar auf Mallorca gesehen haben. Jetzt kehrte die Polizei zum normalen Ermittlungsalltag zurück. Die Bereitschaftspolizei wurde abgezogen, nach dem 57-jährigen Gewalttäter wird ab sofort mit Zielfahndern gesucht. Am Wochenende hatte die Polizei erneut kein Glück: Auf einem Acker bei Göttingen wurde ein Feldarbeiter mit dem Mörder verwechselt. Nahe Erfurt riegelten 250 Einsatzkräfte drei Ortschaften ab und durchkämmten das weitläufige Gelände ohne Erfolg. Ebenfalls ergebnislos war bereits am Freitag der Berliner Grunewald von 300 Beamten systematisch abgesucht worden. "Schon seit dem 21. Juli gab es keine greifbare Spur mehr von Zurwehme", sagte Klingbeil. Vor rund zwei Wochen hatte der Schwerverbrecher in Stadthagen versucht, ein 15-jähriges Mädchen zu vergewaltigen. Danach verlor sich seine Spur im Großraum Hannover.
Die Fahndung führte zu einem Rekordabruf der Internetseiten des Bundeskriminalamts (BKA). Die Behörde zählte über 100 000 Anfragen. Nach Auffassung des BKA zeigt das große Interesse der Öffentlichkeit, dass diese Fahndungsmethode bei der Lösung schwerer Fälle helfen kann (www.bka.de).
Die Staatsanwaltschaft Bielefeld prüft inzwischen eine Anzeige des Bundes Deutscher Kriminalbeamter. Der BDK hatte gegen die Anstaltsleitung der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Senne wegen des Freigangs, bei dem Zurwehme geflüchtet war, Anzeige erstattet.
Zurwehme war im Dezember von einem Freigang nicht mehr in das Gefängnis zurückgekehrt. Nach seiner Flucht soll er zwei Ehepaare in Remagen am Rhein erstochen haben. 1973 war er unter anderem wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden.