Zweiter Sniper-Prozess Malvo widerruft Mordgeständnis
Washington - Muhammad war im November schuldig gesprochen und muss mit der Todesstrafe rechnen. Bislang hatten die Anwälte Malvos nie bestritten, dass ihr Mandant bei den Sniper-Morden der Schütze war. Die Verteidigung hatte aber versucht nachzuweisen, dass der damals 17-Jährige so von Muhammad manipuliert wurde, dass er zu keiner eigenständigen Entscheidung in der Lage war.
Jetzt sagte ein von den Malvo-Anwälten aufgebotener Psychologe, der Junge habe seinen älteren Freund mit dem Geständnis schützen wollen. Tatsächlich sei er nur für den tödlichen Schuss auf einen Busfahrer am 22. Oktober 2002 verantwortlich - bei den anderen Morden habe er Schmiere gestanden. In Washington werden nicht alle zehn Taten verhandelt, sondern lediglich der Mord an einer FBI-Mitarbeiterin.
Der Psychologe Dewey Cornell, der den Angeklagten insgesamt 21 Mal im Gefängnis aufsuchte, sprach von einem "dramatischen Sinneswandel" bei Malvo. Heute würde er auch gegen Muhammad aussagen, den er früher "seinen Vater" genannt habe.
Cornell sagte, nach dem Gesetz Virginas müsse John Lee Malvo als geistig krank gelten, weil Muhammad ihn völlig beherrscht habe. "Was immer er mir sagte, ich habe es gemacht", zitierte der Psychologe im Zeugenstand aus einer Aussage Malvos ihm gegenüber.