Zyanid-Unfall Erste Schadensbilanz verheerend
Budapest/Bukarest/Sofia - Vor der Umweltkatastrophe, bei der Somes, Theiß und Donau auf einer Gesamtlänge von rund 700 Kilometern mit Zyanid-Lauge verseucht wurden, hatte die Umweltorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) noch rund 400 der seltenen Fischotter an den ungarischen Flussabschnitten gezählt. Inzwischen gebe es von dieser bedrohten Tierart keine Spur mehr, sagte eine Sprecherin am Mittwoch. Wahrscheinlich seien die Otter nach dem Verzehr vergifteter Fische gestorben.
Die Schäden könnten vermutlich erst in fünf Jahren behoben sein. Langzeitwirkungen durch das Zyanid schloss die Sprecherin aus, da sich dieser Schadstoff durch das Flusswasser immer mehr verdünne. Problematischer seien die Schwermetalle, die zusammen mit dem Zyanid ausgetreten waren und sich in den Flusssedimenten ablagerten. Eine genaue Untersuchung sollen Wissenschaftler mit einem mobilen Labor vornehmen, das Klaus Töpfer, Direktor des Uno-Umweltprogramms (UNEP), auf den Weg geschickt hatte.
In Jugoslawien lag der Zyanid-Gehalt im Trinkwasser in den Theiß- Regionen am Mittwoch bei 0,1 Milligramm pro Liter und somit unter dem zugelassenen Höchstwert. Dennoch wurden zahlreiche Siedlungen in Flussnähe weiter aus Zisternen mit Trinkwasser versorgt - ebenso wie in der Ukraine, obwohl auch dort das Wasser wieder Normalwerte annahm.
Weiter flussabwärts hat auch das bulgarische Gesundheitsministerium vorsorglich den Verzehr von Fischen und Wasservögeln aus dem Strom verboten. Wasser zum Trinken und Kochen darf nur noch aus kontrollierten Anlagen verwendet werden, teilten die Behörden mit. Die giftige Flut wird für Donnerstag oder Freitag im bulgarischen Teil der Donau erwartet. Umweltschützer befürchten weiterhin, dass die Abwässer das einzigartige Naturschutzgebiet im Donaudelta am Schwarzen Meer zerstören könnten.
Der rumänische Umweltminister Romica Tomescu bat am Mittwoch das Uno-Umweltprogramm (UNEP) um Hilfe bei der Überprüfung der Wasserqualität. Gleichzeitig schloss er bei einem Gespräch mit UNEP-Experten in Bukarest jeden eventuellen Schadenersatz durch sein Land aus. Es gebe kein internationales Abkommen, das den rumänischen Staat verpflichte, für solche ökologischen Schäden aufzukommen.
Wie die amtliche rumänische Nachrichtenagentur Rompres berichtete, kamen am Mittwoch die Direktoren der staatlich betriebenen Goldminen in Westrumänien zusammen, um über Sicherheitsmaßnahmen zu beraten. Auch diese staatlichen Goldbergwerke arbeiten mit Zyanid, das in Abwasserbecken aufgefangen wird - genau wie in dem privat betriebenen Unglücksbergwerk in Baia Mare im Nordwesten des Landes.