10. Juli 2000 Entführung - DER SPIEGEL
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Hausmitteilung 10. Juli 2000 Entführung

• aus DER SPIEGEL 28/2000
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Seit dem 2. Juli ist SPIEGEL-Korrespondent Andreas Lorenz, 47, in der Gewalt einer militanten muslimischen Gruppe auf der philippinischen Insel Jolo. Er wollte über den Stand der Bemühungen berichten, die inzwischen seit elf Wochen von Rebellen festgehaltenen Geiseln freizubekommen. China-Korrespondent Lorenz war Ende Mai schon einmal auf der Insel gewesen und hatte im Gefangenenlager die deutsche Familie Wallert interviewt. Später wurde er mit anderen Journalisten von den Rebellen festgesetzt und erst nach zehn Stunden freigelassen. »Niemand sollte dort mehr hingehen«, sagte er danach. Lorenz gilt als besonnener Journalist, der kritische Situationen gut einschätzen kann. Seinen eigenen Rat wird er sicher befolgt haben, und auch die Hamburger Redaktion hatte ihm keinen Auftrag gegeben, noch einmal ins Camp zu gehen. Wie er dennoch in die Hand seiner Entführer geriet, ist bisher nicht geklärt. Es gibt Hinweise, dass er in einem Café einen Kontaktmann treffen wollte und deshalb sein Hotel verließ. Dann wurde er offenbar überfallen und verschleppt. Die Bemühungen um seine Freilassung blieben bis zum Wochenende ohne Erfolg. In Absprache mit der Bundesregierung, der deutschen Botschaft in Manila sowie dem philippinischen Präsidentenberater Ronaldo Zamora sind inzwischen die SPIEGEL-Redakteure Klaus Brinkbäumer und Olaf Ihlau nach Jolo gereist, Südostasien-Korrespondent Jürgen Kremb nach Zamboanga auf der Insel Mindanao. Im Schutz bewaffneter philippinischer Polizei und in engem Kontakt zu den örtlichen Sicherheitskräften und dem deutschen Krisenstab sondieren Brinkbäumer und Ihlau auf der Rebelleninsel die Lage. Doch bei aller Vorsicht lässt sich in Spannungsgebieten nicht jedes Risiko ausschalten. Die Alternative, nicht mehr vor Ort zu recherchieren, wäre das Ende jeder unabhängigen Berichterstattung von Unruheherden irgendwo auf der Welt.

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