Hausmitteilung 10. November 2003 Iran
Blumengebinde mit Glückwunschkarten schmückten noch die bescheidene Kanzlei der iranischen Rechtsanwältin Schirin Ebadi, als die SPIEGEL-Redakteure Dieter Bednarz, 47, und Joachim Preuß, 58, sie in Teheran besuchten - am 10. Oktober war der Menschenrechtlerin der Friedensnobelpreis zuerkannt worden. Fast zwei Stunden lang sprach sie nun mit den SPIEGEL-Leuten über ein Thema, das ihr besonders am Herzen liegt: den Missbrauch des Islam durch die iranische Mullah-Gesellschaft. Als allzu große Bewunderin des Westens wollte die überzeugte Muslimin dabei nicht erscheinen: Die amerikanische Freiheitsstatue in ihrem Bücherregal sei »nur ein Souvenir«. Allerdings mit Symbolkraft, wie auch das kleine Stück aus der Berliner Mauer, welches Ebadi stolz präsentierte. Dass sich die Iraner ähnlich wie 1989 die Ostdeutschen alsbald gegen die autoritäre Bevormundung erheben, sehen Bednarz und Preuß nach zahlreichen Gesprächen im Land nicht. »Aber der Ruf nach Reformen«, so ihr Fazit, »wird immer lauter« (Seite 128).