Hausmitteilung 14. Juni 1999 NS-Fernsehen
Im Berliner Vorort Wilhelmshagen befindet sich die Außenstelle des Bundesfilmarchivs. Es sind nur ein paar unscheinbare Gebäude, doch unter ihnen lagert ein Schatz: 420 000 Filmrollen sind hier in tiefen Bunkern aufbewahrt worden, wohltemperiert und bei 30 Prozent Luftfeuchtigkeit - darunter ein Großteil des ehemaligen »Staatlichen Filmarchivs der DDR«. Seit Kriegsende liegen dort auch Dokumente eines verborgenen Kapitels deutscher Mediengeschichte: Filmmaterial des »Deutschen Fernseh-Rundfunks«. Es sind Berichte, Interviews und Reportagen aus der Nazi-Zeit. SPIEGEL-TV-Redakteur Michael Kloft, 37, gelang es nun, die Bilder ans Licht zu befördern. Geholfen hat ihm dabei Hans-Gunter Voigt, 55, früher wissenschaftlicher Mitarbeiter des DDR-Archivs und heute beim Bundesfilmarchiv. Mit Unterstützung von SPIEGEL TV wurde das zum Teil außerordentlich empfindliche Material kopiert und so gesichert. Zu sehen sind die Berichte des NS-Fernsehens in der »SPIEGEL TV Reportage« auf Sat 1 am 21. und 28. Juni um 23.00 Uhr. SPIEGEL-Redakteur Nikolaus von Festenberg, 53, beschreibt die Filme schon in diesem Heft. Sein Fazit: »Das Fernsehen war zwar ein mediales Stiefkind der Nazis, stand aber voll im Dienst der Propaganda« (Seite 124).