Hausmitteilung 16. Dezember 2002 Titel
Kaum ein Kriegsereignis fasziniert viele Deutsche so sehr wie der Untergang der 6. Armee in Stalingrad vor 60 Jahren. Galt die blutige Schlacht jahrzehntelang Überlebenden und Veteranenverbänden als Beleg, dass auch die Deutschen Opfer des von Hitler entfesselten Weltbrands waren, so registrieren Historiker heute ein unvoreingenommenes Interesse der Enkel: Wie konnte es angehen, dass sich Soldaten in blindem Gehorsam von einem erbarmungslosen Befehlshaber in den sicheren Untergang treiben ließen, was genau geschah im Kessel von Stalingrad? Von den 250 000 Männern, die für Hitler kämpften, kamen nur wenige tausend zurück. Etwa eine halbe Million Rotarmisten starben bei der Verteidigung ihrer Heimat. Überlebenden fällt es bis heute schwer, über den Schrecken zu reden. »Einige haben nicht einmal ihren Kindern davon erzählt«, sagt Titelautor Klaus Wiegrefe, 37. Auch in Wolgograd, wie Stalingrad heute heißt, ist die Schlacht derzeit beherrschendes Thema. Vom Hass auf Deutsche, der die Menschen einst prägte, hat Wiegrefe dort nichts bemerkt. »Zeitzeugen, mit denen ich sprach, wünschten mir nur, dass ich niemals sehen und erleben möge, was sie sahen und erleben mussten« (Seite 50).