1978 - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 42 / 78

1978

• aus DER SPIEGEL 52/1978
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Großen Zwei waren da, mit Pauken und Trompeten. Und dennoch: Signifikanter und interessanter als die Besuche der beiden Weitmächtigsten samt obligatem großem Staats-Theater erscheint im Rückblick auf dieses Jahr die vergleichsweise zivile Visite eines nicht so hochrangigen, dritten Bonn-Besuchers -ein stellvertretender chinesischer Ministerpräsident beim deutschen Bundeskanzler, das gibt, wie die Dinge Ende 1978 liegen, der politischen Phantasie mehr Nahrung als Breschnew/ Carter in Bonn/ Berlin. Chinas innerer Wandel, Chinas Öffnung zum Westen sind die wichtigsten Entwicklungen des Jahres. Die chinesische Karte, die nach einem Bonmot Henry Kissingers nur von den Chinesen gespielt werden könne, ist im Spiel -- eine gelbe Karte für die Sowjet-Union?

Noch unentschieden sind am Jahresschluß zwei dramatische Partien, Konfrontationen um Kopf und Kragen möglicherweise: Finden Israel und Ägypten aus der »Sackgasse« (Außenminister Dajan) heraus doch noch ans Friedensziel? Ist der Schah noch zu retten? Verlierer »78: ein »furchtbarer Jurist« in Stuttgart und zwei wanzengeschädigte Minister in Bonn (Maihofer und Leber), der amerikanische Dollar und die deutschen Fußball(fehl)treter in Arcentinien. Franz Josef Strauß nach München -- ein Verlust für Bonn, ein Gewinn für Bayern? Oder umgekehrt? Überraschungsgewinner des Jahres: der Papst aus dem kommunistischen Polen.

1978 verheert die bisher größte Ölpest die bretonische Küste, werden auf einem spanischen Campingplatz 165 Urlauber von einer Flüssiggas-Explosion zerfetzt. In Guayana vergiftet und tötet kollektiver Wahn auf Führerkommando fast tausend Menschen, Drop-outs der amerikanischen, der modernen Zivilisation. In diesem Jahr kommt das erste, publicityflink so genannte Retortenbaby zur Welt. Schöne neue Welt, fünf Jahre vor 1984.

Zur Ausgabe
Artikel 42 / 78

Mehr lesen über