Hausmitteilung 21. Februar 2000 Rumänien
Die rumänische Bergarbeiterstadt Baia Mare könnte zum neuen Synonym für rücksichtslose Umweltzerstörung werden. Vor drei Wochen nahm hier die größte Ökokatastrophe Europas seit Tschernobyl ihren Lauf. Die intensive Nutzung von Zyanid bei der Goldgewinnung hat verheerende Folgen für Menschen und Tiere. »Aber das ist längst nicht alles«, hat SPIEGEL-Redakteur Claus Christian Malzahn, 36, vor Ort festgestellt. Kleinwüchsige Kinder mit hervortretenden Augen, tote Fische und Kühe, die auf der Weide plötzlich leblos umfallen, zeigen, dass die Bewohner der Stadt am Fuße der Karpaten seit langem auch mit anderen Umweltgiften leben müssen. »Die meisten Menschen hier haben zu viel Blei im Blut und in den Knochen«, sagt Malzahn, »wenn es nebelig ist, schmeckt man das Gift aus den Schloten« (Seite 206).