Hausmitteilung 24. Juli 2006 Kongo
Vor acht Jahren verließ Kalala Ilunga Matthiesen, 41, den Kongo und ging nach Deutschland ins Exil - jetzt ist der Jurist und Menschenrechtler in seine Heimat zurückgekehrt, um Politiker zu werden. Wenn die Kongolesen am kommenden Sonntag bei den ersten demokratischen Wahlen seit mehr als 40 Jahren ein neues Parlament wählen, hofft Ilunga Matthiesen, eines der 500 Mandate zu erringen. Drei Wochen lang begleitete SPIEGEL-Reporter Uwe Buse, 43, den Afrikaner auf dessen Wahlkampftour durch den Süden des Landes. Er traf Polizisten, Soldaten und andere Profiteure eines korrupten Staates, die sorgenvoll in die Zukunft sehen. Als der Chef der Sicherheitspolizei dem SPIEGEL-Mann einen Leibwächter zuordnen wollte, der vermutlich Spitzeldienste verrichten sollte, intervenierte der Kandidat Ilunga Matthiesen: Die Anwesenheit eines Uniformierten würde seinem Wahlkampf schaden, die Wähler könnten ihn für einen Handlanger der korrupten Führungsclique des Kongo halten. Widerspruchslos gab der Polizeichef dem Protest statt. Buse blieb - wohl tatsächlich - ohne Aufpasser (Seite 104).