Hausmitteilung 26. August 2002 Todesstrafe
Nur ein Wunder kann noch verhindern, dass Toronto Patterson, 24, an diesem Mittwoch in Texas in einem klinisch kahlen, fensterlosen Raum auf eine Bahre geschnallt und mittels Giftinjektion von Staats wegen getötet wird. Vor sieben Jahren soll Patterson drei Menschen erschossen haben, was er bestreitet. SPIEGEL-Korrespondent Gerhard Spörl, 52, sprach wenige Tage vor dem Hinrichtungstermin im Staatsgefängnis von Livingston mit Patterson über dessen Leben im Schwarzen-Ghetto von Dallas, wo er bei seiner völlig überforderten Mutter heranwuchs und sich bereits als kleines Kind um seine schwerstbehinderte Schwester kümmern musste. Weltweit gibt es Proteste gegen die geplante Hinrichtung, weil der Verurteilte zum Zeitpunkt der Tat erst 17 war. »In den USA wächst inzwischen ganz allgemein das Unbehagen an der Todesstrafe«, sagt Spörl, »zu oft hat sich herausgestellt, dass auch Unschuldige verurteilt werden.« Gnade für Toronto Patterson erwartet Spörl aber nicht: »Gerade in Texas gibt es kein Zurück, wenn jemand erst einmal in der Todeszelle sitzt« (Seite 116).