Hausmitteilung 27. August 2001 Lateinamerika
Ob Mexiko, Chile oder Brasilien - Lateinamerika treibt in eine tiefe Finanz- und Wirtschaftskrise. SPIEGEL-Korrespondent Jens Glüsing, 40, hat sich vor Ort umgesehen und die Folgen für Bevölkerung und einheimische Politik beobachtet. »Vor allem in Argentinien scheint die Lage zu eskalieren«, so Glüsing, »hier breiten sich bereits soziale Unruhen aus.« Immer wieder liefern sich militante Arbeitslose, die Piqueteros, blutige Auseinandersetzungen mit der Polizei. Glüsing konnte mit Hilfe von Hebe de Bonafini, der populären Vorsitzenden der »Mütter von der Plaza de Mayo«, einen Anführer der Demonstranten treffen. »Sag, dass du seine Telefonnummer von mir hast, sonst legt er gleich wieder auf«, empfahl die alte Dame. Das Gespräch mit dem Piquetero fand denn auch unter nahezu konspirativen Bedingungen auf einem Vorortbahnhof von Buenos Aires statt. »Das Misstrauen der militanten Arbeitslosen ist verständlich«, so Glüsing, »Argentiniens Geheimdienst wittert bei ihnen den Keim für eine neue Guerrilla« (Seite 134).