Hausmitteilung 9. Februar 2002 Zentralasien
Zehntausende Touristen reisen jährlich nach Nepal, doch bald könnte es mit den friedlichen Trekkingtouren in dem pittoresken Königreich vorbei sein. SPIEGEL-Redakteur Carsten Holm, 46, registrierte eine wachsende Verunsicherung bei den Einheimischen: »Vielerorts herrscht Angst vor Anschlägen maoistischer Guerrilleros.« So begegnen Reisende auf den schmalen Wanderpfaden im Himalaja immer häufiger Soldaten auf der Suche nach Untergrundmilizionären, Hoteliers klagen über bewaffnete Maoisten, die in Bergsiedlungen Schutzgelder erpressen. »Noch gilt das Land zwar für Touristen als sicher«, so Holm, »das kann aber schnell umschlagen« (Seite 146). Eine Krisenregion mehr in Zentralasien, wo es nach dem Afghanistan-Krieg auch in den früheren Sowjetrepubliken gärt. Ursachen sind meist bittere Armut und der Aufzug amerikanischer Militärs, die im Kampf gegen den internationalen Terrorismus Stützpunkte errichtet haben. »Vor allem junge Menschen sympathisieren inzwischen stark mit dem islamischen Fundamentalismus«, sagt der Moskauer SPIEGEL-Korrespondent Uwe Klußmann, 40, der die Region bereist hat und sich mancherorts schon ins Reich der Taliban versetzt fühlte (Seite 132). Wie deren Nachlass in Afghanistan aufgeräumt wird, hat SPIEGEL-Reporter Alexander Smoltczyk, 43, beobachtet. In Kabul ging er den Spuren des langsam wieder keimenden Kulturlebens nach. »Mit wenig Geld lässt sich hier viel schaffen«, sagt Smoltczyk: »Fünfzig Dollar - und der Theaterdichter kann zwei neue Stücke schreiben. Hundert Dollar - und das freie Medienzentrum kann eine Woche lang Seminare anbieten« (Seite 164).