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Manchmal muss Michael Zäh voller Dankbarkeit an den Großverlag Gruner + Jahr denken. Etwa wenn er in seinen neuen Audi S8 steigt, das Navigationssystem startet und sich in die Ledersessel kuschelt.
Schließlich verdankt der Freiburger Kleinverleger den Hamburger Managern eine kräftige Kapitalspritze: Erst stiegen sie zu 50 Prozent in seinen Verlag ein, dann stiegen sie schnell wieder aus - nicht ohne Zähs Verbindlichkeiten in Höhe von rund zehn Millionen Mark zu übernehmen.
Dazwischen lag der Versuch, aus Zähs kostenlosem Qualitätsblatt »Zeitung zum Sonntag« eine bundesweite Nummer zu machen. Doch das seit drei Jahren von den Freiburgern geschätzte Wochenblatt geriet andernorts zum Flop: Nach zwei Versuchen in Karlsruhe und Heilbronn brach G+J das Projekt ab.
»Da habe ich Schwein gehabt«, freut sich Zäh, der mit seiner Idee von einem anspruchsvollen Anzeigenblatt noch einen weiteren Branchenriesen auf den Plan rief. Seit Jahren klagt der Springer-Verlag gegen die »Zeitung zum Sonntag« - wohl aus Sorge um die Objekte »Welt am Sonntag« und »Bild am Sonntag«. Argwöhnisch betrachten auch die Macher des ortsansässigen Traditionsblatts »Badische Zeitung« ("BZ") das Treiben des studierten Germanisten.
Dabei legt Zäh erst richtig los: In dieser Woche will er mit der »zus« (in Anlehnung an die »Zeitung zum Sonntag") »Deutschlands jüngste Tageszeitung« herausbringen und so das Monopol der »BZ« knacken. Ein Novum, schließlich ist der Markt der Regionalblätter seit über 50 Jahren fest aufgeteilt und in den meisten Städten monopolisiert - an Neugründungen hat bislang niemand gedacht.
Aus gutem Grund: Auf mindestens 30 Millionen Mark schätzen Verlagsmanager die Kosten zur Einführung einer neuen Regionalzeitung - Zäh will es mit nicht mal einem Drittel davon schaffen. »Das Risiko des Scheiterns steckt mit drin«, sagt er, allerdings würden etliche Zeitungen schon bei einer Auflage von 15 000 Exemplaren wirtschaftlich arbeiten.
Um die zu wuppen, hat er die Redaktion der »Zeitung zum Sonntag« um 13 Wildentschlossene verstärkt, zudem verhandelt er mit der »taz« über mögliche Kooperationen. Ein bei der »Zeit« entliehener »Gastredakteur« schrieb für die Nullnummer bereits einen Stimmungsbericht von der Verlagsfront: »Eine neue Zeitung? Das wird nix!«
Der Meinung sind auch jene von Zähs Mitarbeitern, die bereits das Weite gesucht haben. »Wenn das eine Objekt kaputt ist, lässt es Zäh einfach in einem größeren aufgehen«, staunt ein Flüchtling aus sicherer Ferne.
Tatsächlich macht Zähs bisherige Bilanz wenig Mut - zu schnell hat es so manches publizistische Kleinod aus seinem Haus dahingerafft. Zum Beispiel das hochgelobte Fußballmagazin »Hattrick«, in dem namhafte Autoren schrieben, bis sie das Warten aufs Zeilengeld leid waren. »Zäh ist ein begnadeter Menschenverführer und ein virtuoser Beschaffer von Millionen«, sagt ein langjähriger Mitarbeiter.
Für die »Zeitung zum Sonntag« fand Zäh neben G+J noch die »Basler Zeitung« als Partner, die mittlerweile ebenfalls ausgestiegen ist - schließlich kann das Blatt die Betriebs- und Personalkosten des Verlags kaum decken.
Im Sommer 2000 dann brachte Zäh seinen Laden für rund 2,5 Millionen Mark an die Börse. Mittlerweile hat sich der Einstiegskurs von 5,2 Euro fast halbiert, gescheitert ist auch der Versuch, an zwei Abenden in der Woche Gratisblätter herauszugeben. Die »zus« lässt Zäh bei dem Offenburger Verleger Peter Reiff ("Offenburger Tageblatt") drucken, über Zulieferungen für dessen Blätter wird gesprochen.
Bei der »Badischen Zeitung« nimmt man den neuerlichen Vorstoß des »Zeitungspiraten« ("Financial Times Deutschland") durchaus ernst - schließlich ist die eigene Auflage seit drei Jahren deutlich gesunken: von 170 911 (im dritten Quartal 1997) auf 162 639 (im gleichen Quartal 2000) verkaufte Exemplare. In der von Studenten geprägten Stadt sind es sogar nur rund 30 000 Abos, weil viele der zur Weltläufigkeit neigenden Freiburger am Kiosk lieber zu einer überregionalen Zeitung statt zum Lokalblatt greifen.
»Einige Menschen hier haben das Gefühl, dass die Stadt nicht nur im Fußball in der Bundesliga spielt«, sagt »BZ«-Chefredakteur Jürgen Busche, der sich an seiner Schreibmaschine Marke Olympia Monica redlich müht, gegen den Leserschwund anzuschreiben. Doch, so klagt ein leitender Redakteur des Blattes, »in der Wahrnehmung der Leute sind wir nun mal grauer Alltag.«
Umso bunter treibt es Zäh, der mit der so genannten Yellow Card eine beispiellose Werbeprämie ersonnen hat: Für 400 Mark erhalten Frühabonnenten nicht nur die neue Zeitung, sondern neben zwölf Kästen Bier oder »fünf Wohlfühlmassagen« noch Freifahrten mit dem Mietauto, Sonderpreise in Restaurants und Ermäßigung im Theater.
Fast 6000 Abonnenten hat die »zus« so bereits vor dem Start gewinnen können, langfristig plant Zäh mit 15 000. Sollte es damit nichts werden, wird er wohl das nächste Projekt anschieben müssen. »'Hattrick' als wöchentliche Sportzeitung«, sagt er, »das wäre was.« OLIVER GEHRS