Abschied mit Würde
Nr. 26/2002, Medizin: Strahlentherapeut Michael Molls über neue Strategien gegen den Krebs
Den kritischen Beitrag von Herrn Dr. Molls finde ich sehr gut und wünschte, dass mehr Mediziner kritisch mit der eigenen Zunft umgehen. Nur beim Prostatakrebs will er die Männer im Anfangsstadium mit Stahl oder Strahl behandeln und unterscheidet nicht zwischen Haustierkrebs und Raubtierkrebs. Natürlich ist die Prostata-Entfernung oder die Strahlentherapie im Anfangsstadium eine kurative Methode. Abwarten und kontrolliert beobachten ist aus finanzieller und lebensqualitativer Sicht in vielen Fällen vielleicht besser, nur darüber reden fast keine Urologen und Strahlentherapeuten.
HEUSENSTAMM (HESSEN) UWE PETERS
DIE DEUTSCHE PROSTATAKREBSHILFE
1986 verstarb meine Frau mit 44 Jahren an Brustkrebs. Zu dieser Zeit unternahmen wir alles in Deutschland Machbare, Heilung für meine Frau zu finden. Fazit heute, nach 16 Jahren: Alle Therapien sind, zumindest bei Tumormarkern III und IV, zwecklos. Sie kosten Geld, bringen Ärzten Ruhm, den Patientinnen den sicheren Tod und den Familien großes, zusätzliches Leid, weil man als Betroffener den Ärzten glaubt. Die Patienten und deren Familien werden zu Gunsten von Geldvermehrung leider nur unzureichend informiert. Dieser SPIEGEL-Artikel sagt endlich die Wahrheit! Wir hatten das Glück, ohne komplette Chemotherapie und mit Alternativbehandlung eine gewisse Lebensqualität für Monate zu erreichen. Ich wünsche mir, dass sich durchsetzt, dass spezielle Krebszentren die Betreuung der Patienten übernehmen. Mit einer schonenden, sachgerechten Aufklärung kann so manche Familie die verbleibende Zeit nutzen, sich auf den endgültigen Abschied von dem geliebten Menschen vorzubereiten, und das mit Würde.
MANILA (PHILIPPINEN) ROLF BOCKMÜHL
Der Artikel hat mich als Selbstbetroffene zunächst unheimlich deprimiert, dann wütend werden lassen, und nunmehr frage ich mich, wem er eigentlich nützt. Herr Molls übt sich nach meinem Empfinden in Selbstbeweihräucherung ohne Rücksicht darauf, dass seine Aussagen sicherlich nicht von Fachkollegen gelesen werden, denn zu diesem Zweck gibt's Fachliteratur für Ärzte. Wenn er sich profilieren möchte, wieso denn auf dem Rücken vieler Betroffener, die diesen ausgesprochen negativen Artikel lesen, wiederum von Ängsten geplagt werden und sich mit einer Überlebensprognose von zehn Prozent nach einer Chemotherapie abfinden müssen.
KÖLN MONIKA GOERICKE-PRAMSCHIEFER
Die Immuntherapie wurde in Ihrem Interview nicht erwähnt. Gerade hier liegt aber nach Abtötung des Immunsystems durch die Chemotherapie die Chance, die wenigen, restlichen Tumorzellen in Schach zu halten. Als vierte Säule der Krebstherapie wird die Immuntherapie - früher verlacht - inzwischen auch von konservativen Onkologen akzeptiert. Und kämpfen Sie bitte nicht gegen die Therapiefreiheit: Im weltweiten Konsens haben zum Beispiel internationale Therapiezentren mit der Hochdosis-Chemotherapie zu Tausenden Frauen mit Brustkrebs behandelt. Bis sich herausstellte, dass die Ausgangsdaten gefälscht waren. Nicht leidend und länger lebend waren die Frauen, die außerhalb dieser Studien unter »Therapiefreiheit« diese Methode nicht erleiden mussten. Also bitte: Finger weg von der Therapiefreiheit. Die mit der nächsten Gesundheitsreform über uns hereinbrechende Leitlinientherapie unter ökonomischem Zwang wird uns sehr bald genügend unglückselige Therapieschemata bringen.
NÜRNBERG EDGAR REMMEL