Absurde Existenz
(Nr. 2/1995, Killer-Viren: Horror-Mikroben aus dem Dschungel)
Sicher ist es sinnvoll, Wissenschaft interessant und allgemeinverständlich darzustellen, aber hier wird der Eindruck vermittelt, daß Wissenschaft nicht auf der neutralen Erhebung von Datenmaterial beruht, sondern auf der Hysterie der Spezies Mensch - und insbesondere einiger Berichterstatter -, die sich dem Ende ihrer Existenz nahe wähnt. *UNTERSCHRIFT: Tübingen TOBIAS M. JUNT
Der Artikel ist der (Alp)traum des Hygienikers. Guckt doch mal, wie sie hocken, die bösen Mikroben, auf Münzen, Wasserhähnen, Telefonhörern. Zähnefletschend warten sie darauf, uns zu entern und zu mampfen. Dann werden wir mit Genuß verdaut. Es gibt doch eine einfache Lösung des Problems: Dschungel asphaltieren, Glas- und Stahlpaläste hinklotzen, alles in hygienisches Plastik packen und, was an Leben noch bleibt, töten. *UNTERSCHRIFT: Berlin THOMAS REHORK
Der Beitrag offenbart die ganze Absurdität der Existenz des größten und ungehemmtesten Schmarotzers auf diesem Planeten, der seinen Feinden wohl nicht entgehen wird. *UNTERSCHRIFT: Berlin JÖRG MÜCKLER
Die wahre Geschichte der Marburg-Infektion verlief ganz anders. Als Hauptbeteiligter kann ich mich noch sehr genau an die Affenseuche erinnern. Ich betreute als junger Arzt die Patienten. Wir hatten seinerzeit sofort Alarm geschlagen, da wir eine Gelbfieber-Infektion beziehungsweise ein auch damals schon bekanntes hämorrhagisches Fieber vermuteten. Aus Marburg erhielten wir dagegen die Nachricht, die Patienten hätten offenbar Shigellose (Ruhr). Es war ein Gemisch von Ignoranz, Ordinarien-Arroganz, Kompetenzstreitigkeiten und bürokratischer Schwerfälligkeit. Die Einschleppung zeigte, wie wenig man in Deutschland auf den Import gefährlicher exotischer Infektionskrankheiten vorbereitet war. *UNTERSCHRIFT: Frankfurt am Main PROF. WOLFGANG STILLE Klinikum der J. W. Goethe-Universität