Afghanistan - DER SPIEGEL
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Hausmitteilung Afghanistan

• aus DER SPIEGEL 34/1981
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Datum: 17. August 1981 Betr.: Afghanistan

Warum so wenig und so unzureichend über den afghanischen Widerstand gegen die sowjetische Besetzung berichtet wird, wurde SPIEGEL-Autor Peter Scholl-Latour klar, als er im Juli in Afghanistan war: »Die physischen Leistungen, die in dieser abweisenden Gebirgsgegend den Reportern und Kameraleuten abverlangt werden, gehen an die Grenzen der körperlichen Belastbarkeit.«

Scholl-Latour hatte mit einem Aufnahmeteam des ZDF eine Gruppe Mudschahidin der afghanischen Widerstands-Organisation Hisb-i-Islami über die pakistanischafghanische Grenze südöstlich von Kabul begleitet. In afghanischer Kleidung - weiten Hosen, flatternden Hemden und gewaltigen Paschtunen-Turbanen - sollten Scholl-Latour und seine Begleiter bis in die Nähe von Kabul gebracht werden. Dort waren starke Gruppen von Mudschahidin konzentriert, bereit, den sowjetischen Truppen und ihren afghanischen Verbündeten »eine offene Schlacht« zu liefern. »Dabei wären wir als westliche Augenzeugen willkommen gewesen, um über die Wirksamkeit des afghanischen Widerstandes zu berichten.«

Augenzeuge war Scholl-Latour unter anderem in Algerien, im Kongo und in Vietnam gewesen. Dort allerdings auch schon mal mehr, nämlich nach dem Zweiten Weltkrieg als französischer Fallschirmjäger. Sein Ende 1979 erschienenes Buch »Der Tod im Reisfeld. Dreissig Jahre Krieg in Indochina« (SPIEGEL 1-2/1980) steht seit Februar 1980 auf der SPIEGEL-Bestseller-Liste.

Der Plan der Hisb-i-Islami erwies sich als nicht durchführbar, denn der ZDF-Tross - das TV-Gerät war auf vier Esel und sechs Pferde verladen worden - wäre von sowjetischen Hubschraubern entdeckt worden.

So konnte Scholl-Latour zwar keine Feldschlacht filmen, aber was er beobachtete, revidiert die bisherigen Ansichten über den Widerstand der Afghanen. Nicht mehr mit altertümlichen Flinten oder mit von Dorfschmieden angefertigten Waffen kämpfen die Mudschahidin gegen die sowjetischen Panzer und Flugzeuge. Kalaschnikoffs, leichte Maschinengewehre und Panzerfäuste gehören zur Grundausrüstung der Widerstandsgruppen, Munitionsmangel gibt es offenbar nicht (Seite 110).

Scholl-Latour beeindruckte seine muselmanische Umgebung durch gelegentliche Koran-Zitate, während Kameraassistent Michael Schleimann, der zusammen mit Scholl-Latour-Sohn Roman photographierte, den Mudschahidin mit seiner Schiesskunst imponierte.

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