GOLF VON GUINEA Afrikanisches Kuweit
Um ihre energiepolitische Abhängigkeit von Saudi-Arabien und anderen Unruheherden im Nahen Osten zu reduzieren, verstärken die USA ihr Engagement im Westen Afrikas. Die Region, die heute bereits rund 15 Prozent des amerikanischen Erdölbedarfs liefert, gilt als viel versprechende Energiequelle für den US-Markt. Nirgends sonst auf der Welt wurde im vergangenen Jahr mehr schwarzes Gold entdeckt als in den Küstengewässern des Golfs von Guinea; kein Land weist höhere Wachstumsraten auf als Äquatorialguinea. Der von einem Putschoffizier regierte Staat von der Größe Brandenburgs wird nach Prognosen der amerikanischen Energiebehörde EIA bis zum Jahr 2020 Ägypten als fünftwichtigstem afrikanischem Ölproduzenten den Rang ablaufen. Schon erwägt Washington die Wiedereröffnung seines 1990 geschlossenen Generalkonsulats im »afrikanischen Kuweit«; amerikanische Ölmultis dominieren bereits bei der Ausbeutung der Ölfelder vor der Küste. Mehrere Besuche amerikanischer Politiker und Militärs in der Region gaben Anlass zu Spekulationen, die USA wollten sogar einen Marinestützpunkt auf dem Gabun und Äquatorialguinea vorgelagerten Archipel São Tomé und Príncipe errichten. Das streitet Washington ab. Doch gab der Unterstaatssekretär für afrikanische Angelegenheiten, Walter Kansteiner, unmissverständlich zu Protokoll: »Westafrikas Öl ist für uns von nationalem strategischem Interesse.«