China Agent willkommen
Kaum hat Bundeskanzler Helmut Kohl im Hinblick auf seine geplante Pekinger Reise Mitte November die Chinapolitik zur Chefsache erklärt, rückt die Volksrepublik beim Bundesnachrichtendienst (BND) in den Rang einer befreundeten Nation auf. Die Pullacher Behörde will in Peking eine offizielle Niederlassung etablieren - für ein kommunistisches Land ein bisher einzigartiger Vorgang. In der Vergangenheit residierte Pullachs Mann unter dem Deckmantel eines Diplomaten in der politischen Abteilung der deutschen Botschaft. Doch nach den jüngsten Plänen entsendet die für Asien und die Dritte Welt zuständige Unterabteilung 13 des BND im nächsten Herbst mit Billigung der kommunistischen Behörden einen Mitarbeiter nach Peking. Die »Residentur«, so die Geheimdienstdiktion für die BND-Arbeitsstelle, soll in der deutschen Botschaft untergebracht werden. Im Gegenzug darf der gefürchtete chinesische Geheimdienst Anquanbu einen Mitarbeiter im neugeschaffenen chinesischen Generalkonsulat in München unterbringen. Kern der Zusammenarbeit soll die Auswertung von elektronischem Material sein, das die Chinesen in Horchposten entlang der Grenzen zu den GUS-Staaten aufnehmen. Pullach versorgt Peking mit in Europa gewonnenen Informationen über Westrußland.