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Briefe

Also: üben!
• aus DER SPIEGEL 34/1996
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Also: üben!

(Nr. 32/1996, Titel: König Kurt macht sich stark - Sachsen gegen den Rest Europas)

Nachdem die Deutschen seit Jahrzehnten die Zahlmeister Europas spielen, erdreistet sich plötzlich ein deutscher Länderchef, etwas von unserem eigenen Geld für eine darbende eigene Region zu verwenden. Und schon heult Brüssel auf. An dieser Reaktion kann man klar erkennen, daß ein deutscher Politiker endlich mal etwas richtig gemacht hat. Bravo, König Kurt!

München JÜRGEN BARDENS

Herrn Biedenkopf verhilft die absolute Mehrheit seiner Partei im Landtag schon zu einem Stück Selbstherrlichkeit. In der Art, wie er Argumente der Opposition vom Tisch wischt, erkennt man seinen in der Tat einem Monarchen ähnlichen Regierungsstil. Die Ansiedlungen großer Unternehmen, wie zum Beispiel Siemens und AMD, die Biedenkopf gern als Erfolge seiner Politik preist, fanden nur aufgrund der hohen Subventionszahlungen statt. Wie das Beispiel VW zeigt, hat sich die Staatsregierung damit in die Abhängigkeit großer Unternehmen begeben. Die wichtige Mittelstandsförderung dagegen bewegt sich auf einem erstaunlich niedrigen Level. Dies ist um so schlimmer, da mittelständische Unternehmen die Träger des Aufschwungs sein sollen und auch durch sie die meisten Arbeitsplätze geschaffen werden.

Görlitz (Sachsen) ANDREAS MEISSNER

Vielleicht fassen nun ja auch andere Politiker den Mut zu handeln, anstatt sich widerspruchslos und schicksalsergeben der EU-Regelungswut zu unterwerfen, denn langsam drängt sich der Verdacht auf, die EU-Kommission wolle unter dem Deckmantel europäischer Wettbewerbspolitik unsere bewährte soziale Marktwirtschaft durch eine zentrale, in Brüssel gesteuerte Planwirtschaft ersetzen.

Stadthagen (Nieders.) KARLHEINZ BURBA

Natürlich konnten Sie nicht alle wichtigen Pionierleistungen der sächsischen Industrie aufzählen, aber eine bedeutende Branche sollte nicht unerwähnt bleiben: die deutsche feinmechanisch-optische und Foto/Kino-Industrie, deren Wiege in Dresden stand. Hier wurde der internationale große Erfolg des Kamerabaus begründet. Namen wie Ernemann, Zeiss Ikon (Contax), Ihagee (Exakta), Noble, Praktica waren ihrer Höchstpräzision wegen weltweit beliebt, wurden später von anderen »nachempfunden« oder schlichtweg kopiert.

Hamburg GÜNTHER LENSCH

Wenn erst das Beispiel: »Ohne Subventionen, dann ab in die Slowakei oder anderswohin« im Osten so richtig Schule macht, dann wird der Staat jederzeit erpreßbar. Es sind doch gerade Unternehmerkreise, die schon seit Jahren »weniger Staat« fordern, wenn er aber zur melkenden Kuh wird, ist er wieder okay.

Magdeburg HORST BLANKE

Der kleine König kennt sicher die alte sächsische Volksweisheit, und danach handelt er auch. Sie lautet:

mir Sachsen mir sinn helle das weeß die ganze Welt un wenn mir ooch mal dämlich sinn dann hamm mehr uns verstellt.

Eschenburg-Hirzenhain (Hessen) WALTER WOLF

Sachsen-Jena bestand nur 18 Jahre, aber immerhin als ernestinisches Herzogtum. Sachsen-Merseburg war ein albertinisches Herzogtum, gehörte also zur Osthälfte, die von Erbteilungen im allgemeinen verschont blieb. Im sächsischen Dialekt sind Sie auch nicht recht firm, woher denn auch? Kein Sachse sagt »de Gofferraum uffmache«, das hat wohl ein Schwabe geschrieben; richtig muß es heißen »dän Gofferraum uffmachng« oder »'n Gofferraum aufmachng« bei ganz flacher Aussprache des »au«, ohne Lippenrundung. Also: üben!

Leonberg (Bad.-Württ.) CHRISTOPH MARTIN

Kaum Beachtung findet bei Ihnen die Tatsache, daß die Sachsen nach dem Krieg ungeheure Entbehrungen und Demütigungen auf sich nehmen mußten und wahre Kraftakte vollbrachten und noch vollbringen, die Zeit nach der Wiedervereinigung zu bewältigen. Am schlimmsten aber ist die spürbare Aversion gegen alles Sächsische zum Ausdruck gebracht in der nicht enden wollenden Verspottung des sächsischen Dialekts.

Leipzig EVA WENZEL

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