Alt Mann - DER SPIEGEL
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Briefe

Alt Mann
• aus DER SPIEGEL 10/1973
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Alt Mann

(Nr. 6/1973, Hausmitteilung)

Sie wollen mit ihrer »Hausmitteilung« ihr SPIEGEL-Deutsch rechtfertigen. Das angeführte Resümee von Frau Liberge ist allerdings sehr liebenswürdig und erfaßt die Art Ihrer »Sprache« keineswegs vollständig. Welche Art von Sprache ist es zum Beispiel, wenn Sie den Titel der Arbeit von Frau Liberge übersetzen und dabei das Subjekt weglassen, das Ihnen offensichtlich sehr unangenehm ist?

Stuttgart GERHARD CLAUSS

Spätere Generationen von Germanisten werden das unverkennbare SPIEGEL-Deutsch als Pionierleistung würdigen: entstaubt, mit vereinfachter Syntax, mit ironischen Anspielungen und Wortspielen, mit ebenso unvermeidbaren wie geglückten Lehnübersetzungen (meist aus dem US-englischen Vorbild »Time"), wohltuend witzig und humorvoll. Die totale politisch-kulturelle Quarantäne der DDR hat zur Folge, daß dort von aufgelockertem SPIEGEL-Deutsch keine Rede sein kann -- in der DDR schreiben sie noch immer das bleischwere, knochentrockene Zeitungsdeutsch früherer Epochen. Aber nicht einmal der SPIEGEL hat es. bisher gewagt, etwas gegen die unhandliche Fülle redundanter Flexions-Endungen zu unternehmen, die das Deutsche zu einer so schwer erlernbaren Fremdsprache machen. Wie lang wird es noch dauern, bis man einfach und effektiv sagen darf: Ich sah ein alt Mann mit sein jung Hund (vgl. I saw an old man with his young dog, oder andere germanische Sprachen).

Ange (Schweden) HEIMO BURGSTALLER

Da wir bei der Sprache sind: da steht im SPIEGEL ein Wort, das zu lesen einem einfach weh tut. Über Brecht heißt es: »Einst hatte er Rekorde als der abgesetzteste Dramatiker gehalten.«

Stuttgart MARIA GIERTZ

Die Redaktion des SPIEGEL behält sich vor, Leserbriefe gekürzt zu veröffentlichen

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