Alte Besen - DER SPIEGEL
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ABGEORDNETE Alte Besen

Was als Provinzposse begann, beschäftigt inzwischen die Bonner SPD-Spitze: die seltsamen Wandlungen des Abgeordneten Hofmann.
• aus DER SPIEGEL 18/1981
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Noch vor einem halben Jahr hatte sich der bayrische SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Hofmann beschwert, man könne in dieser Partei »mit Solidarität nicht auffallen«. Kritik am Kanzler werde dagegen hoch honoriert. Denn: »Zuverlässigen muß man ja nicht nachlaufen.«

Inzwischen hat der notorische Hinterbänkler, der seit 16 Jahren höchst unauffällig die Interessen des Wahlkreises Coburg in Bonn vertritt, von den geschmähten Parteilinken abgeguckt und das Gelernte lautstark in die Tat umgesetzt.

In Leserbriefen, Artikeln und Interviews wettert der konservative Sozialdemokrat seitdem gegen die Mitglieder und Funktionäre seines Bezirks.

Genossen, die gegen Waffenlieferungen nach Chile und Saudi-Arabien sind, schmähte er öffentlich als »nützliche Idioten Moskaus«.

Dem Kronacher SPD-Kreisvorsitzenden Egon Stäudel, einem Oberstudienrat, drohte er an, ihn beim bayrischen Kultusministerium anzuschwärzen, weil er die Schulkinder zu »Systemveränderern« erziehe. Und über einen anderen Genossen Lehrer verbreitete Hofmann im »Coburger Tageblatt«, dessen Schüler-Eltern werde es »bestimmt interessieren, nach wessen Rezept oder Manifest er eine Bewußtseinsänderung S.100 bei den jungen Leuten herbeiführen will«.

Die giftigen Kollegenschelten haben weniger ideologische als materielle Gründe. Es geht, da sind sich der Abgeordnete und seine Gegner einig, ums Geld. Alles drehe sich nur um die Frage, so der sparsame Parlamentarier, »wie man noch mehr Deutsche Mark aus Karl Hofmann herausholen« kann.

Trotz satter Bezüge von über 10 000 Mark, die der Ex-Lehrer als Abgeordneter im Monat kassiert, geizt er mit Zuwendungen an seine Partei, zu denen er nach SPD-Vereinbarungen verpflichtet ist: Als Mandatsträger muß er einen Teil seiner Diäten an Partei- und Fraktionskassen abführen.

Erst zweieinhalb Monate nach der Wahl im Oktober letzten Jahres war Hofmann auf mehrfaches Drängen bereit, den versprochenen und allgemein üblichen persönlichen Wahlkampfbeitrag von 10 000 Mark zu zahlen.

Außerdem entließ der kniepige Abgeordnete seinen Assistenten und schloß das Wahlkreisbüro. Feste Sprechstunden finden seitdem nicht mehr statt. Sparer Hofmann: »Die Leute können jederzeit bei mir zu Hause anrufen und vorbeikommen.«

Nicht einmal der sozialdemokratische Fraktionschef Herbert Wehner vermochte ihn zu bändigen. 45 Minuten lang las Wehner dem 54jährigen Altparlamentarier die Leviten. Gemeinsam mit dem fränkischen Bezirksvorsitzenden Bruno Friedrich kam man überein, »die Sache zu beruhigen« (Hofmann). Öffentliche Erklärungen sollten nicht mehr abgegeben werden.

Doch schon wenig später zog der Gerüffelte wieder gegen Parteikollegen vom Leder. In einem Leserbrief an das »Coburger Tageblatt« zieh er einen Genossen der »Ehrabschneidung« und warf seiner eigenen Partei vor, die Bundestagswahl zu einem »großartigen Geschäft« gemacht zu haben. Schließlich habe die SPD für jede Zweitstimme 3,50 Mark aus der Staatskasse bekommen. »Ist das«, echauffierte sich Hofmann, »nicht beschämend?«

Einstimmig rügte daraufhin der Bezirksvorstand die Verhaltensweise des Genossen Hofmann. »Jede Fortsetzung seines bisherigen Fehlverhaltens«, warnten die SPD-Oberen, »müßte als schwere Schädigung des Ansehens der Partei zu Konsequenzen«, konkret: zu einem Parteiordnungsverfahren, führen.

Bei so viel Verdruß mit ihrem bislang so leisen Abgeordneten rätseln die Genossen nun, wie es der zum Kampfhahn gediehene Parlamentarier fünfmal hintereinander schaffte, als unstrittiger Bundestagskandidat aufgestellt zu werden. Der seit jeher als schwierig und kontaktarm geltende Mann, vermutet sein Parlamentskollege Egon Lutz, habe in seinem konservativen Wahlkreis nach dem Motto »alte Besen kehren gut« Jüngere verdrängt.

Dreimal war es ihm sogar gelungen, das Mandat direkt zu holen. Als die CSU mit einem populären Konkurrenten antrat, fiel Hofmann jedoch in der Wählergunst zurück.

Vorzeitig niederlegen will Hofmann sein Mandat, das ihm einen Pensionsanspruch von 5800 Mark garantiert, auf keinen Fall. Den Querelen mit der Basis hofft er vielmehr mit einem »Novum« (Hofmann) in der SPD-Geschichte zu entkommen: »Um weitere Schwierigkeiten für die Partei zu verhindern«, will er aus seinem Kronacher Ortsverein aus- und in die Bonner SPD eintreten.

Daran könnte ihn freilich die Parteisatzung hindern. Denn für die Emigration in einen anderen Wahlkreis braucht er die Zustimmung nicht nur des neuen, sondern auch des alten Unterbezirksvorstandes -- und da hat er nur noch wenig Freunde.

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