Amtlicher Kalendersturm - DER SPIEGEL
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TURKMENISTAN Amtlicher Kalendersturm

• aus DER SPIEGEL 33/2002
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Immer skurrilere Züge nimmt der Personenkult in der früheren zentralasiatischen Sowjetrepublik an. Der so genannte Volksrat bat vorigen Donnerstag Präsident Turkmenbaschi beinahe schon auf den Knien, doch bis zum Ende seiner Lebenszeit als Staatsoberhaupt zu wirken - nach längerem Zieren und anhaltendem Applaus stimmte der 62-jährige Ex-Parteichef leutselig zu. Zuvor hatte Turkmenbaschi, mit bürgerlichem Namen Saparmurad Nijasow, selbst eine Reihe weiterer Neuerungen für die Wüstenrepublik eingeführt. Damit die Turkmenen »zu ihren Wurzeln zurückkehren«, werden die Namen der Wochentage und Monate geändert. Der Montag wird zum »Haupttag«, der Dienstag zum »Jungen Tag« und der Mittwoch zum »Glücklichen Tag«; der Januar heißt jetzt zu Ehren des Landesvaters »Turkmenbaschi«, der April wird den Namen seiner Mutter, Gurbansoltanedsche, tragen. Die bei einem Erdbeben 1948 ums Leben gekommene Mutter war im Juli post mortem als erste Frau zur »Heldin Turkmenistans« ernannt worden - ihr Sohn trägt bereits fünf dieser Titel. Im Dorf Kiptschak, Geburtsort der Familie, errichtet ein französisches Unternehmen zudem die künftige Hauptmoschee des Landes, die 10 000 Menschen fassen und 86 Millionen Dollar kosten soll. Für die von Wien aus agierende turkmenische Opposition ist das Maß voll. Um das Volk »von der Diktatur zu befreien«, will sie Nijasow vor einem internationalen Gericht anklagen - Turkmenbaschi sei seit Juni nicht mehr rechtmäßiger Präsident. Und der neben dem Parlament agierende Volksrat, ein Gremium von Funktionären und Claqueuren, von der Verfassung nicht gedeckt.

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