Angefixt - DER SPIEGEL
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ZEITSCHRIFTEN Angefixt

»Geo«-Chefredakteur Peter-Matthias Gaede, 50, über zwei umstrittene Unicef-Bilder in der Kinderzeitschrift »Geolino«, auf denen Kinder vergewaltigt und ermordet werden - Leser haben dagegen Beschwerde beim Presserat eingereicht.
• aus DER SPIEGEL 48/2001
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SPIEGEL: Herr Gaede, ist die Beschwerde vor dem Presserat - die erste in 25 Jahren »Geo« - gerechtfertigt?

Gaede: Es überrascht mich sehr, dass der Zorn einiger Leser ausgerechnet »Geolino« trifft, das alles andere als ein verantwortungsloses Randale-Blatt ist.

SPIEGEL: Was wirft man Ihnen vor?

Gaede: Dass wir zwei auf den ersten Blick harmlose Bilder, die auf den zweiten Blick gewaltträchtig sind, aus Quotengeilheit gedruckt hätten.

SPIEGEL: Stimmt das?

Gaede: Überhaupt nicht. Wir wollten darauf hinweisen, dass viele Kinder in Gefahr sind. Nach Schätzungen des Vereins Dunkelziffer werden allein in Deutschland jedes Jahr 200 000 Kinder sexuell missbraucht. Und bisher haben wir die Erfahrung gemacht, dass Kinder es gut verstehen, wenn wir ihnen nicht nur die schönen Seiten der Welt zeigen.

SPIEGEL: Ist das nach dem 11. September noch nötig?

Gaede: Für »Geolino« gilt: ja. Unsere kleinen Leser sind sehr wach und besonders interessiert am Schicksal von Kindern, die auf der Schattenseite der Erde leben, in Nordirland zum Beispiel oder in Afghanistan.

SPIEGEL: »Geolino« macht also kritischen Journalismus für Kinder?

Gaede: Was heißt kritisch? Wir machen kein Gänseblümchenmagazin mit zweitbesten Texten und drittbesten Bildern, wir nehmen unsere Leser ernst. Das leitet sich aus dem erwachsenen »Geo« ab.

SPIEGEL: Das Ziel ist also, junge Leser möglichst früh mit »Geo« anzufixen?

Gaede: Ein schlimmes Wort. Aber natürlich hoffen wir, dass »Geolino«-Leser nach der pubertären »Bravo«-Phase zum erwachsenen »Geo« zurückfinden.

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