Angst ums Öl - DER SPIEGEL
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VENEZUELA Angst ums Öl

• aus DER SPIEGEL 51/2002
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Die Ausweitung des Generalstreiks auf die Ölindustrie könnte US-Präsident George W. Bush zu einem Kurswechsel in seiner Haltung gegenüber dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez veranlassen. Washington fürchtet, dass der Ausstand die Energieversorgung der USA während eines möglichen Irak-Krieges gefährdet. Bislang haben die Amerikaner sich darauf verlassen, dass Venezuela einspringen könnte, wenn die Ölzufuhr aus dem Nahen Osten unterbrochen würde. Etwa 13 Prozent der Ölimporte stammen aus dem lateinamerikanischen Land.

Chávez hatte den Amerikanern wiederholt zugesichert, dass sie trotz der Krise pünktlich beliefert werden. Washington hielt sich deshalb in den vergangenen Monaten aus dem Machtkampf in Caracas heraus. Die Amerikaner befinden sich in einem politischen Dilemma: Sie sind als Vermittler diskreditiert, seit sie während des gescheiterten Umsturzversuchs gegen Chávez im April voreilig die Putschisten anerkannt hatten. Bush bat deshalb Brasiliens künftigen Präsidenten Luiz Inácio ("Lula") da Silva, bei Chávez auf eine politische Lösung des Konflikts zu drängen.

Mit dem Streik in der Ölindustrie ist der Machtkampf zwischen dem Präsidenten und der Opposition in eine entscheidende Phase getreten. Venezuela hängt nahezu vollständig vom Ölexport ab, ein längerer Ausstand wäre fatal für die Wirtschaft. In weiten Teilen des Landes fehlt Benzin. Experten rechnen damit, dass sich die Auswirkungen des Streiks erst im Laufe dieser Woche voll bemerkbar machen, wenn der gesamte Produktionsprozess zum Erliegen kommen sollte. Die Regierung versucht unterdessen, die streikenden Tankerbesatzungen durch regierungstreue Arbeiter zu ersetzen. Die Angestellten des staatlichen Ölkonzerns PDVSA sind in mehrere Gewerkschaften zersplittert und wie das gesamte Land in Chávez-Anhänger und -Gegner gespalten. Vergangene Woche kaperte das Militär im Auftrag der Regierung zwei Tanker, die in Maracaibo auf Reede liegen. Umweltschützer warnen jedoch davor, die Schiffe unerfahrenen Arbeitern anzuvertrauen: Das Unfallrisiko sei zu groß.

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