BALKAN Antike Diplomaten
Ihre selbstherrlichen, zuweilen sogar kriminellen Diplomaten werden für die Regierungen der Nachfolgestaaten im ehemaligen Jugoslawien zunehmend zur Belastung. Unbeeindruckt von der politischen Wende auf dem Balkan gefallen sich viele Exzellenzen in fernen Botschaften und Konsulaten als machtverliebte Fürsten und erliegen nicht selten dem Hang zum Eigennutz. Die bosnische Regierung setzte jetzt beispielsweise den ehemaligen Außenminister und späteren Botschafter bei der Uno, Muhamed Sacirbegovic, auf die internationale Fahndungsliste. Der als eifriger Kasino-Gänger bekannte Günstling des ersten Staatspräsidenten Alija Izetbegovic soll während seiner Amtszeit in New York 2,5 Millionen Dollar veruntreut haben. Im Dezember 2000 war er als Botschafter zum Rücktritt gezwungen worden. Seither weigert sich Sacirbegovic, der neben der bosnischen auch die US-Staatsbürgerschaft besitzt, sich in seiner Heimat den Gerichten zu stellen. »Wenn ich rede«, drohte er stattdessen, »wird ganz Bosnien erzittern.«
Finanzexperten der Regierung in Sarajevo stießen vergangenes Jahr auch auf zweifelhafte Geschäfte ihrer Konsulate in Wien und Mailand, wo offenbar Pässe verkauft wurden. Kaum besser schneiden die jungen Diplomaten des neuen serbischen Regierungsbündnisses DOS in Belgrad ab. So hatte Washington zum Beispiel die Abberufung des jugoslawischen Botschafters Milan St. Protic durchgedrückt: Der hatte, ganz undiplomatisch, verkündet, er lasse sich »nicht von antiken Diplomaten aus der Tito-Zeit erklären, was Diplomatie im 21. Jahrhundert bedeutet«.
Probleme auch in Mazedonien: Präsident Boris Trajkovski warf seinem nach Skopje zitierten Botschaftercorps kürzlich Faulheit und politisches Desinteresse vor: Die mazedonische Diplomatie funktioniere nur noch mit Fußtritten.