Antisemitische Mode?
Ellen von Unwerth, 33, deutsche Modefotografin, sieht sich einem häßlichen Vorwurf ausgesetzt. Für die August-Ausgabe der französischen Modezeitschrift Vogue fotografierte sie Kleider des Modedesigners Jean-Paul Gaultier. Da die Entwürfe sich anlehnen an den Kleidungsstil der chassidischen Juden, verlegte die Fotografin den Aufnahmeort in den New Yorker Stadtteil Brooklyn, wo eine große chassidische Gemeinde lebt. Die Fotomodelle trugen dazu die traditionellen Kopfbedeckungen der Männer, etwa die Kipa oder die Fellmütze, darunter baumelten Schläfenlocken, gelegentlich rauchten die Damen Zigarren. Während der Aufnahmen erregten die Models in dem Männern vorbehaltenen Aufzug bereits den Abscheu der Chassidim. Auch Mitarbeiter der Pariser Agentur Ford, die zwei Mannequins gestellt hatte, fühlten sich beleidigt und schrieben an den Medienkonzern Conde Nast, Eigentümer von Vogue: »Ihre Ablichtung von Models im Stil der Chassidim in deren Gemeinde ist offen rassistisch«; es zeuge »von äußerster Geschmacklosigkeit, den Antisemitismus unter dem Mäntelchen der Mode zu fördern«. Die Fotografin wehrt sich: »Das sind doch keine chassidischen Frauen, sondern reine Phantasieprodukte.«